Kielerin erobert Modewelt

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Deutsche Presse-Agentur

Im Windschatten der Möchtegernmodels aus Heidi Klums Casting-Show tritt eine kleine Gruppe von jungen deutschen Mädchen das Erbe von Claudia Schiffer und Eva Padberg an.

Neben der Münchnerin Julia Stegner und dem Hamburger Calvin-Klein-Model Toni Garrn macht derzeit vor allem die Kielerin Katrin Thormann in der glitzernden Modewelt von sich reden. In den vergangenen fünf Wochen präsentierte sie auf den Laufstegen in New York, Mailand, London und Paris die Modetrends für den kommenden Winter. Ende letzten Jahres schaffte es die 21-Jährige zweimal hintereinander auf den Titel der italienischen „Vogue“, die als eines der weltweit angesehensten Modeblätter gilt. Dazu buchte Star-Fotograf Steven Meisel die Norddeutsche für die aktuellen Kampagnen von Prada und Mulberry. Mehr geht kaum in der Branche des Glitzer und Glamour.

„Zwei Vogue-Cover hintereinander, das ist seit zehn Jahren keiner Deutschen mehr gelungen“, sagt Pascal Kluttig, der die 1,82 Meter große Kielerin unter Vertrag hat. Seine Kunden wie Dolce&Gabbana oder Chanel schätzen neben Katrins Größe vor allem ihr Gesicht. Ihre Haut ist auffallend hell und ebenmäßig, hinzu kommen leichte Sommersprossen und nahezu gleiche Gesichtshälften. „Der nordische Typ ist derzeit besonders gefragt“, sagt Kluttig. Eine Visagistin aus Paris weiß noch andere Eigenschaften des deutschen Modelnachwuchses zu schätzen: „Die sind völlig unkompliziert, pünktlich und zicken nicht rum.“

Katrin Thormann selbst hätte sich bis zu einer schicksalhaften Begegnung vor ein paar Jahren auf dem Berliner Alexanderplatz nie vorstellen können, als Model zu arbeiten. „Wenn ich auf mein Aussehen angesprochen wurde, dann wegen meiner Größe oder weil ich angeblich zu dünn sei“, erzählt die 1,82-Meter-Frau bei einer kurzen Verschnaufpause zwischen zwei Jobs bei den Pariser Prêt-à-Porter- Schauen. „Iss' doch mal mehr“, habe es oft geheißen. Dann sprach sie vor ein paar Jahren in Berlin eine Frau auf der Straße an, fragte unter anderem nach der Schuhgröße und drückte der Schülerin die Visitenkarte einer Modelagentur in die Hand.

„Erst einmal habe ich mich nicht gemeldet“, erinnert sich die junge Frau, die sich damals mehr für Leichtathletik und das bevorstehendes Auslandsjahr in Estland interessierte. Erst nach dem Abitur im vergangenen Frühjahr entschied sie sich, es ernsthaft mit dem Modeln zu versuchen. Ihre Agentur schickte sie kurz darauf nach New York. Das richtige Laufen wurden in der Agentur geübt.

Der Erfolg, aber auch die ersten harten Lehrstunden ließen nicht lange auf sich warten. In der Modemetropole an der amerikanischen Ostküste wohnte sie wochenlang mit sieben weiteren Mädchen in zwei Zimmern. Während der Schauen für die Sommermode 2009 im September hetzte sie täglich zu rund 15 Terminen. Einem Casting folgte das nächste. Für Hobbys wie Klettern oder Gitarre spielen blieb keine Zeit mehr. Heute teilt sie sich zusammen mit zwei Kolleginnen in Manhattan ein vergleichsweise günstiges Drei-Zimmer-Appartement und macht nicht mehr als fünf Termine am Tag. Statt den teuren Limousinen-Service nimmt sie die Metro. „Man muss schon aufpassen, dass man nicht allzu viel Geld für teure Fahrer oder Hotels bezahlt“, sagt die Spätstarterin, die sich von ihren ersten Gagen erst einmal ein neues Fahrrad geleistet hat und am liebsten Jeans, T-Shirt und Turnschuhe trägt.

Was nach dem Model-Leben kommt? „Ich könnte mir gut vorstellen, mich im Studium mit Osteuropa zu beschäftigen“, erzählt Katrin Thormann. Vielleicht schon im nächsten Jahr. Zum einen weiß sie von Kolleginnen, wie schnell das Interesse an der eigenen Person nachlassen kann. Zum anderen möchte sie nicht wie Heidi Klum noch mit 35 Jahren wöchentlich durch die Welt jetten. Echte Freundschaften wie mit ihrer New Yorker Mitbewohnerin, dem österreichischem Top-Model Iris Strubegger, seien in der Branche schwierig. „Mittlerweile kann ich mir sogar vorstellen, später nach Kiel zurückzugehen“, sagt Thormann, die jede Studentenkneipe den schicken Champagner-Feiern während der Modewochen vorzieht.

Den jungen Mädchen in Heidi Klums Show „Germany's Next Topmodels“ rät Thormann, sich nicht allzu viel Hoffnung auf eine große Laufsteg-Karriere zu machen. „Das ist ganz schlecht fürs Image, wenn du in so einer Show mitgemacht hast“, sagt die Blonde aus dem Norden.

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