Kanada zwischen royaler Vorfreude und Skepsis

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 Königin Elizabeth II. bei ihrer Kanadareise 2005: Knapp die Hälfte der Kanadier will laut Umfragen, dass das Commonwealth-Mitgl
Königin Elizabeth II. bei ihrer Kanadareise 2005: Knapp die Hälfte der Kanadier will laut Umfragen, dass das Commonwealth-Mitgliedsland nach dem Ende ihrer Regentschaft eine Republik wird. (Foto: Fiona Hanson/dpa)
Jörg Michel

Barry MacKenzie ist ein Anhänger der britischen Monarchie. Schon als Schüler verfolgte der Kanadier die Royals, heute lehrt er an einer Hochschule in Nova Scotia die Geschichte des Königshauses. Als Prinz Harry und Herzogin Meghan letzte Woche ihren Rückzug aus der ersten Reihe der Royals ankündigten, war MacKenzie erst überrascht, dann aber doch in freudiger Erwartung. „Viele Kanadier sind aufgeregt, dass der Herzog und die Herzogin unter uns in Kanada leben werden, zumindest zeitweise“, meint MacKenzie, auch wenn er nicht verhehlen will, dass ihm die abrupte und unabgestimmte Art und Weise des Rückzugs nicht gefallen hat. Am Ende aber wünsche er den beiden Glück in Kanada: „Ich hoffe, dass sie bei uns finden, wonach sie suchen.“

Wie MacKenzie geht es vielen Kanadiern. Seit Königin Elizabeth II. dem prominenten Paar ihren Segen für einen Teil-Umzug gegeben hat, sind die Kanadier neugierig und gespannt, was das für sie bedeutet. Fragen gibt es noch zuhauf: Wo werden Harry und Meghan leben? Wie gestalten sie ihren beruflichen Alltag? Wer bezahlt für Personenschutz? Warum eigentlich wollen sie ausgerechnet nach Kanada?

Kanada gehört zum Commonwealth of Nations, einem Zusammenschluss von 53 ehemaligen britischen Kolonien, die ihrem alten Mutterland durch Tradition verbunden sind. Entsprechend eng ist das Verhältnis: Die Queen fungiert in Kanada als Staatsoberhaupt, auch wenn ihre Rolle zeremonieller Natur ist. Kein anderes Land hat sie häufiger bereist als Kanada – insgesamt 23-mal.

Auch Harry und Meghan pflegen seit jeher eine besondere Beziehung zu Kanada. Harry war 1991 mit seinen Eltern Charles und Diana erstmals zu Besuch im Land. Später absolvierte er einen Teil seines Pilotentrainings auf einer kanadischen Luftwaffenbasis. Als er im September 2017 erstmals öffentlich mit Meghan auftrat, tat er das in Toronto, wo sie sieben Jahre lang als Schauspielerin lebte.

Zuletzt hatten Harry, Meghan und ihr acht Monate alter Sohn Archie mehrere Wochen auf Vancouver Island verbracht, wo sie weitgehend unbehelligt von Paparazzi Weihnachten feiern konnten. Meghan ist mittlerweile zurück auf Vancouver Island bei ihrem Sohn, der dort bei einer Babysitterin verblieben war. Harry will ihr in ein paar Tagen folgen.

Der Freundschaft zum Herzogspaar fühlen sich viele Kanadier verpflichtet. 60 Prozent können sich laut einer Umfrage Harry als Generalgouverneur vorstellen, dem Vertreter seiner Majestät in Ottawa. Der kanadische Kaffeeröster „Tim Horton’s“ hat der Familie Gratis-Getränke in Aussicht gestellt und die Tageszeitung „Globe and Mail“ schwärmte gar von einem „märchenhaften Ende“ für Kanada.

Auch Premierminister Justin Trudeau äußerte Sympathie. „Ich denke, die meisten Kanadier stehen der Idee, die Royals hier zu haben, sehr unterstützend gegenüber“, sagte er im kanadischen Fernsehen. Zugleich betonte er aber auch, dass es noch viele Details zu besprechen gebe, unter anderem auch über die Kosten für den Personenschutz, die auf mehrere Millionen Dollar pro Jahr geschätzt werden.

Knapp die Hälfte gegen Monarchie

„Am Ende wird Kanada wohl einen Teil der Kosten bezahlen“, glaubt die Journalistin Patricia Treble, die in Kanada zu den bekanntesten Beobachtern der Königsfamilie zählt und in Toronto einen Monarchie-Blog betreut. Allerdings sei dies wohl nur für eine gewisse Zeit vertretbar und die Royals müssten aufpassen, die Gastfreundschaft Kanadas nicht überzustrapazieren, warnte Treble.

Tatsächlich besitzen weder Harry noch Meghan die kanadische Staatsbürgerschaft – und einen automatischen Aufenthaltstitel gibt es laut kanadischem Gesetz für die Royals nicht. Als Besucher dürfen sie sich bis zu sechs Monate im Land aufhalten. Wenn sie länger bleiben oder wie angekündigt dort einen eigenen Lebensunterhalt verdienen wollen, müssen sie sich die nötigen Papiere besorgen.

Vorsicht ist laut Treble auch beim ehrenamtlichen Engagement geboten. Am Dienstag etwa besuchte Meghan in Vancouver ein Frauenhaus. „Ich würde den Royals raten, sich politisch nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen.“ Themen wie Umweltschutz, Energie oder Klimawandel beispielsweise seien umstritten in Kanada und die positive Grundhaltung der Bürger könne leicht kippen, wenn diese das Gefühl bekämen, das Königshaus mische sich politisch ein.

Tatsächlich ist in Kanada die Zustimmung zur Monarchie keine Selbstverständlichkeit. Knapp die Hälfte der Kanadier will laut Umfragen, dass ihr Land nach Ablauf der Regentschaft von Königin Elizabeth II. zur Republik wird. Die Aktivisten der Republikbefürworter „Republic Now“ sehen in dem Fortzug von Harry und Meghan aus England denn auch eher ein Zeichen der Erosion der Monarchie und fordern: „Kanada sollte sich auch abwenden.“

Doch das wird wohl nicht passieren. Eine knappe Mehrheit der Kanadier befürwortet in Umfragen regelmäßig die Monarchie. „Ich bin ein eingefleischter Königstreuer“, erklärt auch Barry MacKenzie, der Hochschullehrer aus Nova Scotia. Er ist überzeugt: Solange die Queen die Pläne von Harry und Meghan unterstütze, werden auch die Kanadier an der Seite des herzoglichen Paares stehen.

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