Kaizers Orchestra: Nordische Märchenmusik

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Kaizers Orchestra
Kaizers Orchestra (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Berlin (dpa) - Mit einem beeindruckend vielfältigen Album eröffnet Kaizers Orchestra die „Violeta Violeta“-Trilogie. Ihrem temporeichen Stilgemisch aus Rock, Pop und Balkan-Folk ist die norwegische Gruppe dabei treu geblieben.

Seit zehn Jahren veröffentlicht Kaizers Orchestra ein erfolgreiches Album nach dem anderen. Bereits das Debüt „Ompa til du dor“ machte die Gruppe um die Jugendfreunde Janove Ottesen und Geir Zahl über ihr Heimatland Norwegen hinaus bekannt. Recht ungewöhnlich für eine Band, deren Sänger den lokalen Bryne-Dialekt verwendet. Im Jahr 2005 erschien mit „Maestro“ das bislang erfolgreichste und nach eigenem Bekunden auch gelungenste Album von Kaizers Orchestra. Die frühen Songtexte sind zumeist von düsteren Themen wie Mafia oder Psychiatrie und dementsprechend unheilvollen Figuren geprägt.

Schon die ersten drei Alben bildeten einen zusammenhängenden Zyklus. Nach einem weniger überzeugenden Pop-Album („Maskineri“), einer Compilation und einem Live-Album begann die Gruppe vor einem Jahr mit den Aufnahmen zu ihrer zweiten Trilogie, „Violeta Violeta“ betitelt.

Bei dem neuen Konzeptalbum dreht sich alles um die drei Charaktere Beatrice, Kenneth und deren Tochter Violeta. Der Mann verlässt seine Frau, weil er deren überaus exzentrisches Verhalten nicht länger ertragen kann. Er nimmt die Tochter gewaltsam mit sich fort und versteckt sich mit ihr an einem fernen Ort. Woraufhin die Mutter für sieben Jahre ihr Haus nicht mehr verlässt, bis sie sich nach einer kummervollen Zeit entschließt, die beiden zu suchen. Über ihre Träume gelingt es den beiden Frauen miteinander in Verbindung zu treten. Janove Ottesen ließ sich hier nach eigener Aussage von den Filmen Tim Burtons oder David Lynchs inspirieren.

Ebenso exzentrisch wie die Texte ist auch die Musik zu „Violeta Violeta“ konzipiert. Pumporgeln, Ölfässer und Glasflaschen gehören für Kaizers Orchestra wie selbstverständlich zum Instrumentarium. Unterstützt von Kontrabass und Geigen wird die hochexplosive Mischung vorgetragen, die der Band das Label „Gypsy Rock“ eingebracht hat. Die Gruppe liebt es, scheinbar wenig verträgliche Klänge aufeinander prallen zu lassen. Dadurch ergibt sich ein dynamisches, meist sehr temporeiches Zusammenspiel, das wie bei der zweiten Singleauskopplung „Hjerteknuser“ erstaunlich hymnische Qualitäten entfaltet. Gerade bei Live-Auftritten wird Kaizers Orchestra mit einer solch energiereichen Performance mühelos überzeugen können.

www.kaizers.no

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