Künstler zeigen ihre Sicht auf 1969

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Deutsche Presse-Agentur

Eine nackte Frau, die einen Hula-Hoop-Reifen aus Stacheldraht schwingt, ein Kleinkind im roten Shirt mit Hakenkreuz und die RAF-Terroristen Andreas Baader und Gudrun Ensslin lachend in einem Paris Café.

Unter dem Titel „MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation“ zeigt die Hamburger Kunsthalle von Freitag an bis zum 26. April Arbeiten von 53 Künstlern, die sich mit den politischen, kulturellen und sozialen Extremen der 60er Jahre auseinandersetzen. Dazu wurden 35 internationale Künstler gebeten, sich rückblickend unter diesem Gesichtspunkt mit dem Jahr 1969 zu befassen und die damaligen gesellschaftlichen Umbrüche aufzugreifen.

„Das ist unser Beitrag zu 1968“, sagte Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner am Mittwoch in Hamburg. Dabei gehe es nicht so sehr um die Studentenbewegung und die RAF, sondern „um das Verhältnis zwischen Ästhetik und Politik“ und „wie ein utopischer Freiheitsentwurf, eine Protestbewegung, umschlägt in etwas anderes“. Dafür stehe Charles Manson, eine zentrale Figur der amerikanischen Hippie-Kultur, der als Anstifter der Morde an dem prominenten Filmstar Sharon Tate und sechs weiteren Personen im August 1969 gilt. Einem „Porträt von Charles Manson“ (1988) des US-Künstlers Joe Coleman haben die Kuratoren Frank Barth und Dirck Möllmann das Gemälde „Christus als Schmerzensmann“ von Meister Francke und „John, der Frauenmörder“ von George Grosz gegenübergestellt.

Etwa ein Drittel der beteiligten Künstler hat extra für die Ausstellung Arbeiten entwickelt - unter anderem Achim Bitter, Stephan Huber, Karin Missy Paule und Susanne Weirich. Der deutsche Künstler Gregor Schneider zeigt eine seiner neuesten Arbeiten: ein Schachspiel, das mit einer elektrischen Stromanlage verbunden ist: Wird eine geschlagene Figur auf den Rand des Tisches abgelegt, erhält der Spieler einen Elektroschock. Fällt der König, ist die Ladung tödlich. 17 Künstler haben Arbeiten zur Verfügung gestellt, die in den thematischen Kontext passen, darunter Martin Eder, Douglas Gordon und Chris Reinecke. Der Deutsche Rudolf Herz zeigt unter dem Titel „Zugzwang“ (1995) Porträtfotografien von Marcel Duchamp und Adolf Hitler, die beide vom selben Fotografen stammen.

www.hamburger-kunsthalle.de

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