„König der Möwen“: Musikalische Dramödie

Lesedauer: 5 Min
«König der Möwen»
Der Musiker Andreas Dorau und Gereon Klug, Gründer des Plattenladens "Hanseplatte", mit einem Möwenkopf. (Foto: Daniel Reinhardt / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Katja Schwemmers

Andreas Dorau (54) ist ein von Kritikern gefeierter Popmusiker, der es mit seinem zehnten Album „Die Liebe und der Ärger der Anderen“ (2017) erstmals in die deutschen Albumcharts schaffte.

Ins Gedächtnis eingebrannt haben dürfte er sich der Allgemeinheit mit seinem Neue-Deutsche-Welle-Hit „Fred vom Jupiter“. Gereon Klug (49) ist Gründer des Plattenladens „Hanseplatte“, Tourmanager des humorigen Trios Studio Braun und Autor. Gemeinsam haben die Zwei ein etwas anderes Musical über Hamburg geschrieben. Uraufführung hat ihr „König der Möwen“ am 9. August beim Internationalen Sommerfestival auf Kampnagel. Zuvor erscheint am Freitag (3. August) das Album dazu.

Eine Dramödie nennen die beiden ihr Musiktheaterstück lieber. Der „König der Möwen“ soll auch Leuten gefallen, die nicht nur Musicals mögen - was sich angesichts des Soundtracks von selbst ergeben dürfte. Darauf tobt sich die Möwen-Allstar-Band, zu der auch Carsten Friedrichs von der Hamburger Popgruppe Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen gehört, in unterschiedlichsten Stilen aus.

„Wir wollten nichts verschlagern und auch keine Parodie machen, sondern etwas, was wir privat auch gerne hören“, macht Dorau im Interview deutlich. „König der Möwen“ klingt tatsächlich nur im Titel ähnlich wie das Disney-Musical, das seit 2001 im Hamburger Hafen läuft. Man wolle niemandem ans Bein pinkeln, beteuert Dorau.

Doch worum geht's in dem Stück, das unter der Regie von Patrick Wengenroth beim Internationalen Sommerfestival auf Kamnpagel auf die Bühne kommt? Plattenladenbesitzer und Möwenfreund Hans (Andreas Schröders) geht aus finanzieller Not auf ein Angebot von Hamburg Marketing ein, sein Geschäft im Schanzenviertel während eines Staatsbesuch vorübergehend in die neue Hafencity zu verlegen. Doch das angekündigte Staatsoberhaupt kommt nicht, Hans verliert seinen Laden und hat obendrein seine Ideale verraten. Als er in seiner dunkelsten Stunde am Hafen den zweiten Hamburger Brand legen will, hilft ihm der König der Möwen (Dorau) auf dem Weg zur Erkenntnis.

Die Musik ins Stück bringt eine junge Band, die wöchentlich im „Rillenreiter“ auftritt und sich auf der Suche nach ihrer musikalischen Identität diverse Male häutet. Somit erklärt sich auch, warum auf dem dazugehörigen Album kein Lied wie das andere klingt. Mit dem Vorboten „Feelingsgefühle“ haben Dorau und Klug einen gefühlten Sommer-Hit geschrieben, der es bis in die ARD-WM-Nachberichterstattung schaffte. Ihr Song „Drogenzug“ hätte indes auch gut auf den „Trainspotting“-Soundtrack gepasst. Wabernde HipHop-Beats und Autotune-Gesang gibt es beim düsteren Kleinod „Existieren und krepieren“.

Und wie sich das für ein Musical gehört, haben Dorau und Klug auch ein musikalisches „Möwenthema“ geschrieben - wenn es nach ihnen ginge, ist es sogar eine Hommage an das neue Wappentier der Stadt. „Du hast keine Farben, nur schwarzweiße Schwingen, du bist mein Lieblingsvogel, denn du kannst nicht singen“, heißt es darin. „König der Möwen“ entpuppt sich als charmantes Singspiel mit toller Musik und tierischer Botschaft.

Tapete Records

Kampnagel

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen