Kölner Ausstellung zeigt den Mond in der Kunst

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Deutsche Presse-Agentur

Jeder kennt ihn, manche sind sogar süchtig nach ihm. Und doch ist das Wallraf-Richartz-Museum in Köln das erste Museum, dass dem Mond eine eigene Kunstausstellung widmet.

Manches darin hatte man erwartet - Raumfahrtfotografien und die romantischen Mondbilder von Caspar David Friedrich zum Beispiel - aber einiges überrascht auch.

Die Idee kam Museumsdirektor Andreas Blühm vor Jahren, als er eine Ausstellung zum Thema „Licht“ vorbereitete. Das künstliche Licht in den Städten, der Lichtsmog, verdarb den Astronomen im 19. Jahrhundert die Aussicht auf den Mond. „Als ich dann später hier zum Wallraf kam, sah ich plötzlich überall Mondbilder in der Sammlung. Da hab ich gesagt: Jetzt machen wir's.“ Die Ausstellung mit 150 Exponaten läuft vom 26. März bis zum 16. August.

2009 ist das Internationale Jahr der Astronomie, weil Galileo Galilei vor genau 400 Jahren erstmals ein Teleskop auf den Mond richtete. Auch diese Beobachtungen waren für die Kirche hochproblematisch, weil man den Mond bis dahin als Symbol für die unbefleckte Empfängnis der Gottesmutter Maria betrachtet hatte. Die Erkenntnis, dass der Trabant ähnlich zerklüftet ist wie die Erde selbst, kam als Schock. Zwar hatte man auch vorher schon die mit bloßem Auge sichtbaren Schattierungen bemerkt, erklärte diese aber als Spiegelung der Erdteile.

Den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend stellten die Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts den Mond präziser und realistischer dar. Die Genauigkeit der damaligen Mondkarten verblüfft, wobei man die dunklen Stellen oft noch für Meere hielt. Besonders schön ist ein sehr seltener Mondglobus von 1797, entworfen für den 10. Earl of Exeter. So ganz doll scheint sich dieser exzentrische Adelige dann aber doch nicht dafür interessiert zu haben, denn der Globus wurde 1985 originalverpackt und in Schafswolle gehüllt auf dem Dachboden gefunden.

Schon um 1865 herum entstanden sehr detaillierte Fotografien der Mondoberfläche. Während die Fotos immer schärfer wurden, verwischten die künstlerischen Darstellungen: Der wolkenumflorte Mond auf den Plakaten und dem Katalog zur Kölner Ausstellung stammt aus der linken oberen Ecke einer Hafenszene von Edouard Manet. Bleich leuchten die Hauben der Fischerfrauen im Mondlicht.

Eines der verblüffendsten Bilder der Ausstellung wurde ursprünglich gar nicht mit künstlerischem Anspruch geschaffen. Es ist ein Monddiorama, das der Illustrator Wilhelm Kranz 1919 für das Deutsche Museum in München - ein Technikmuseum - entwarf. Kaum zu glauben, wie er fünfzig Jahre vor der ersten Mondlandung eine so realistisch anmutende Mondlandschaft mit aufgehender Erdkugel auf die Leinwand zaubern konnte. Höchstens sind seine Gebirge ein wenig zerklüfteter und damit ansehnlicher als die Wirklichkeit.

Die Astronauten haben dem Mond viel von seinem Zauber genommen. Hand aufs Herz: Aus der Nähe betrachtet wirkt er mit seinen Geröllwüsten doch ziemlich öde. Von weitem sah er besser aus. Bezeichnenderweise redet ja seitdem auch niemand mehr vom Mann im Mond, sondern höchstens noch von Marsmännchen, wobei die meisten Außerirdischen noch viel weiter entfernt angesiedelt werden.

Doch Andreas Blühm ist nach seinen Recherchen für die Ausstellung davon überzeugt, dass der Mond zumindest in der Kunst als Projektionsfläche weiter gefragt ist. Eines der jüngsten Beispiele dafür sind die „Apollo-Prophezeitungen“ von Nicholas Kahn und Richard Selesnick, die in einem Fotopanorama, einer Installation und dazugehörigem Internet-Auftritt sehr amüsant die Entdeckung einer untergegangenen Mondkultur simulieren.

www.museenkoeln.de/wallraf

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