Julieta

Lesedauer: 4 Min
Julieta
Nach dem Tod ihres geliebten Mannes verfällt Julieta (Adriana Ugarte) in eine tiefe Depression. (Foto: El Deseo/Manolo Pavon/Arte / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Johannes von der Gathen

Seit er vor 30 Jahren mit „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ den internationalen Durchbruch erlebte, hat sich Pedro Almodóvar häufig als Meister des Tragikomischen bewiesen.

Doch das Mutter-Tochter-Drama „Julieta“, das Arte an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) zeigt, ist eher schwere Kost. Hier regieren der Zufall und die Tristesse: Die früh verwitwete Mutter Julieta (Emma Suárez) hat sich in ihrer freudlosen Existenz eingerichtet. Von ihrer einzigen Tochter Antia hat sie seit vielen Jahren nichts mehr gehört. Plötzlich trifft sie auf der Straße in Madrid eine Jugendfreundin ihrer Tochter, die erzählt, dass Antia verheiratet ist, Kinder hat.

Auf der Stelle krempelt Julieta ihr Leben um. Eigentlich wollte sie mit ihrem Freund Lorenzo nach Portugal ziehen. Stattdessen gibt sie ihre durchgestylte, sterile Wohnung auf, zieht in ihr altes Apartment voller Erinnerungen - und beginnt zu schreiben.

In langen Rückblenden entfaltet sich ihre düstere Lebensgeschichte. Die junge Lehrerin Julieta, gespielt von Adriana Ugarte, verliebt sich unsterblich in den Fischer Xoan (Daniel Grao). Aber die Liebe steht unter keinem guten Stern. Kurz bevor Julieta ihren Lover in einem Zug zum ersten Mal trifft, kommt es zu einem rätselhaften Unfall mit Todesfolge. Die gemeinsame Tochter Antia muss später erleben, wie ihr Vater bei einem Sturm ertrinkt. Als Antia 18 wird, verschwindet sie endgültig aus Julietas Leben.

Die Tragödien werden fast schon routiniert und mit bedeutungsschwangeren Vorahnungen abgehakt. Aber Julietas Schicksal lässt uns Zuschauer seltsam unbeteiligt zurück. Um seine unglückliche Protagonistin herum gruppiert Almodóvar noch viel zu viele Nebenfiguren - vielleicht um die Dürftigkeit seines Plots zu kaschieren.

Da kommt dann noch Julietas demente Mutter ins Spiel, die von ihrem Ehemann mit einer jungen Krankenpflegerin betrogen wird. Oder eine verhärmte Haushaltshilfe sorgt im Haus des Fischers Xoan für Irritationen. Xoan selbst hat auch noch eine Freundin, die Bildhauerin Ava, deren zerbrechliche Tonfiguren schließlich eine Symbolik entfalten, die mit dem Holzhammer daherkommt.

Die Versatzstücke fügen sich diesmal einfach nicht zu einer emotional berührenden Geschichte zusammen. Einige wenige starke Momente bleiben im Gedächtnis: Wenn sich die verstörte Julieta am Rande eines stillen Sportplatzes etwa in die Vergangenheit zurück träumt, spürt man eine große Trauer und Verlorenheit.

Für einen Regisseur vom Kaliber des Oscarpreisträgers Pedro Almodóvar allerdings sind solche Lichtblicke entschieden zu wenig. „Julieta“ - basierend auf Kurzgeschichten von Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro - kann nicht an große Melodramen wie „Sprich mit ihr“ oder „Volver - Zurückkehren“ anknüpfen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen