Jil Sander macht wieder Mode

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Deutsche Presse-Agentur

Modedesignerin Jil Sander macht wieder Mode: Die 65-Jährige hat einen Beratervertrag mit dem japanischen Bekleidungskonzern Fast Retailing Co. abgeschlossen und soll sich der erschwinglichen Modemarke Uniqlo widmen.

„Ich bin sehr erfreut“, sagte Sander, sonst eher pressescheu, vor Journalisten in Tokio. Die Herausforderung für sie sei, hohe Qualität für eine breite Käuferschicht anzubieten. Die mit einem dunklen, knielangen Mantel bekleidete Modemacherin machte bei ihrem Auftritt deutlich, dass sie mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen hat.

Die Zeiten als Vorstandschefin der Jil Sander AG endgültig passé, der Neustart in einem anderen Marktsegment: Uniqlo ist bekannt für die Massenproduktion von Freizeitkleidung zu niedrigen Preisen, quasi das japanische Pendant zum schwedischen Bekleidungsriesen H&M. Die erste gemeinsame Kollektion unter Sanders Obhut soll in der diesjährigen Herbst-Wintersaison erscheinen.

Gut fünf Jahre hat die Branche auf das Comeback der kühlen Hanseatin gewartet, die mit ihrem minimalistischen Bekleidungsstil begüterte Kundinnen begeisterte. Und die Japaner haben offensichtlich viel mit ihr vor; sie wollen mit ihrer Marke Uniqlo weltweit expandieren. Derzeit können schlichte, farbenfrohe Pullover, Hosen oder Jacken in Läden in Japan, China, Südkorea, Hongkong, in den USA, in Frankreich oder Großbritannien gekauft werden.

Vizepräsident Yukihiro Katsuta hofft, aus der Verbindung Luxus- Designerin mit starkem japanischen Massenvertrieb weltweit die Modebranche umkrempeln zu können. Wie genau ihr „Arbeitsvertrag“ aussieht, blieb ein Geheimnis. Doch dürfte der Designerin die kreative Leitung für die Uniqlo-Damen- und Herrenkollektionen in die Hände gelegt worden sein. Auch eine Kollektion mit der typisch minimalistischen Handschrift soll offenbar erstellt werden.

Heidemarie Jiline „Jil“ Sander, Prädikat-Label der deutschen Modebranche, baute aus einer Boutique in Hamburg (1967) ein börsennotiertes Unternehmen auf. Dem Aufstieg der Jil Sander AG bis Ende der 90er Jahre folgte der Fall, die Firma verschlang zu viel Kapital. Die italienische Prada-Gruppe stieg 1999 ein. Doch Prada- Chef Patrizio Bertelli und Sander fanden auch nach zwei Anläufen nicht zusammen; im November 2004 war Schluss für die „Queen of Less“. Prada trennte sich zwei Jahre darauf auch von der Marke Jil Sander, Finanzinvestoren stiegen ein. Ironie dieser Geschichte: Sanders ehemaliges Modehaus gehört heute zu einer Beteiligungsholding (Onward Holdings Co.Ltd.) - mit Sitz in Japan.

Die Hoffnung einer Rückkehr der Perfektionistin in die Modewelt war seit ihrem Abgang 2004 immer wieder durch Spekulationen genährt worden. Die Fachwelt horchte im Februar dieses Jahres auf, als Sander bei einer Textilmesse in Paris gesichtet wurde. Der Einsatz neuer Stoffe und Materialien sowie eine hochwertige Verarbeitung lagen der Designerin immer am Herzen. Und auch Uniqlo, wissen Experten der Fachzeitung „Women's Wear Daily“, lege Wert auf Produktinnovationen wie zum Beispiels Sweatshirts, die nach dem Maschinenwaschgang ihre Form behalten. An der Formgebung ist die Designerin nun beteiligt.

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