Jazz mediterran: Peirani, Casarano und Mangiaracina

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Deutsche Presse-Agentur
Werner Herpell

Die Namen dieser Künstler sind klangvoll, ihre Musik ist es auch: Vincent Peirani, Raffaele Casarano und Sade Mangiaracina gelten als große Hoffnungsträger des mediterranen Jazz. Ihre neuen Alben zeigen eindrücklich, warum das so ist.

Bei VINCENT PEIRANI, dem 38 Jahre alten Akkordeonisten aus Nizza, fließen Jazz, Weltmusik, Klassik, Chanson und Pop schon länger mühelos ineinander. Auf dem aktuellen Werk „Living Being II - Night Walker“ (ACT) kommt nun auch Rockmusik als Spielmaterial für seine hoch virtuose Stil-Melange hinzu: „Kashmir To Heaven“ ist der Titel einer Suite, in der dieser kühne Franzose sogar Led Zeppelin in den Jazz überführt - mit seiner Verknüpfung von „Kashmir“ und „Stairway To Heaven“, zwei ikonischen Songs der Hardrock-Legenden.

Peirani, der schon viermal den Echo-Jazz-Award erhielt (zuletzt 2016 für das Duo-Album „Tandem“ mit dem deutschen Piano-Star Michael Wollny), reißt hier endgültig Mauern ein. Sein Jazz rockt mit einer Wucht und Energie, wie man es selten zuvor gehört hat. Aber auch die anderen Tracks dieser fantastischen Platte - Eigenkompositionen sowie Coverversionen von Nancy Sinatras berühmtem Sony-Bono-Song „Bang Bang“ und Henry Purcells wunderschönem Kirchenlied „What Power Art Thou“ - sind eine aufregende Entdeckungsreise in neue Gefilde.

„Dieses Album ist mehr ein kollektiver Trip“, sagt Peirani. Das Akkordeon stehe weniger als früher bei ihm üblich im Mittelpunkt. „Erst wenn Du es wegnehmen würdest, würdest Du merken, wieviel plötzlich fehlt.“ An der grandiosen Mannschaftsleistung auf „Living Being II“ haben Peiranis langjähriger Wegbegleiter Emile Parisien (Sopransaxofon) sowie Tony Paeleman (Keyboards), Julien Herné (Bass/Gitarre) und Yoann Serra (Schlagzeug) große Anteile. Das Quintett zeigt sich mit diesem in Brüssel aufgenommenen Album, das Jazz und Rock verbindet, aber nie in die berüchtigte Jazzrock-Fusion abgleitet, auf der Höhe seiner Kunst.

Für den 37 Jahre alten italienischen Saxofonisten RAFFAELE CASARANO ist „Oltremare“ (Tuk Music/edel kultur) - was soviel wie „Übersee“ oder „jenseits des Meeres“ bedeutet - das vierte Werk einer Karriere, die zunehmend Fahrt aufnimmt. Moderner, melodischer Jazz mit Electro-, Soul- und sogar Hip-Hop-Elementen wird hier geboten. So behandelt der gleich zweimal auftretende Rapper Danno unter anderem das Drama der tagtäglich vor Italien in Seenot geratenden Flüchtlinge.

Das Quartett mit dem weltbekannten französischen Drummer Manu Katché, dem schwedischen Bassisten Lars Danielsson und dem italienisch-belgischen Pianisten Eric Legnini ist hochkarätig - die Musik nicht weniger. Casarano erhält viel Freiraum für sein freies Sax-Spiel, aber natürlich nutzt der Mann aus Apulien die Klasse seiner prominenten Mitstreiter für ein Teamspirit-Album aus einem Guss.

„Oltremare“ ist auf dem Label eines anderen italienischen Jazz-Stars, des Trompeters Paolo Fresu, erschienen. Ebenso übrigens „Le Mie Donne“ (Tuk Music/edel kultur), das neue Werk der italienischen Pianistin SADE MANGIARACINA. Wie der Albumtitel schon andeutet, geht es hier um die Würdigung großer, starker Frauen mit den Mitteln des klassischen Jazz-Trios aus Klavier, Standbass (Marco Bardoscia) und Schlagzeug (Gianluca Brugnano).

Ergänzt werden Mangiaracinas feine Klanggemälde durch Gastbeiträge von Altsaxofon-Ikone Greg Osby (ganz wunderbar in „Amelia“) und Oud-Solist/Sänger Ziad Trabelsi (in „Piccola Suite per Malala“). Zwei Namen hier porträtierter Frauen - die Flugpionierin Amelia Hearhart und die pakistanische Mädchenbildungs-Aktivistin Malala Yousafza - sind damit schon genannt. Hinzu kommen etwa die französische Modedesignerin Coco Chanel, die US-Bürgerrechtlerin Rosa Parks, die Malerin Frida Kahlo und Anne Frank. Mit „La mie donne“ drückt die Pianistin aus Sizilien auf musikalisch ambitionierte Weise ihren Respekt aus.

Website Vincent Peirani

Raffaele Casarano auf Facebook

Sade Mangiaracina auf Facebook

Label ACT

Lable Tuk Music

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