Japanische Trommler in Leipzig gefeiert

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Deutsche Presse-Agentur

Sie springen und schreien, bieten ein wenig Karate und etwas Pantomime. Aber vor allem entlocken sie diversen Trommeln die unterschiedlichsten Töne - oft synchron.

Die zehn japanischen Trommler des Ensembles „Yamato“ sind zur Weltpremiere ihrer neuen Show am Dienstag in der Oper Leipzig begeistert gefeiert worden. Im ausverkauften Haus präsentierten die muskulösen jungen Musiker erstmals ihr Programm „Matsuri“, benannt nach einem alten japanischen Fest zu Ehren der Geister. Im Mittelpunkt dieses Festes und der Show steht die traditionelle Taiko-Trommel, die bis zu 400 Kilogramm wiegt. Nach weiteren Auftritten in Leipzig und Wien ist das Ensemble im Sommer auch in Köln zu sehen und zu hören.

Schon das Outfit der Protagonisten lässt die Mischung des Abends erkennen: Modernität trifft auf Tradition. Die je fünf jungen Frauen und Männer tragen moderne, teils wilde Frisuren - aber traditionelle japanische Gewänder. In ihren schwarzen Anzügen mit weiten Hosenbeinen und weichen schwarz-roten Turnschuhen hüpfen sie samt Trommeln über die Bühne, geben teils unverständliche, teils verständliche Laute von sich wie etwa „Ha-Ha-Hei!“. Nach jedem der acht einzelnen Szenen klatscht und jubelt das Publikum - darunter auch Kinder und Senioren - begeistert.

„Yamato - The Drummers of Japan“ gibt es seit 1993. In Europa sind die Hochleistungs-Musiker, die sowohl von den buddhistischen und shintoistischen Traditionen ihrer Heimat als auch von der Popmusik beeinflusst werden, seit 1998 regelmäßig zu Gast. All ihre Stücke sind an Götter adressiert, die Shows auch mit Lichteffekten perfekt choreographiert. Nach Angaben des Managements beherrscht die Trommel-Truppe die Synchronität nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Alltag: Demnach essen sie gemeinsam, gehen gemeinsam zu Bett und stehen auch gemeinsam wieder auf.

Auf der Bühne scheint jede ihrer Muskeln angespannt - außer im Gesicht. Immer wieder lachen sich die Trommler gegenseitig und dem Publikum zu, wirken, als ob sie tatsächlich ein großes Fest feiern. Ihre wertvollen traditionellen Instrumente - die Taiko-Trommel („dicke Trommel“) wird aus Tierhäuten und alten Baumstämmen hergestellt - stellen sie behutsam auf dem Boden ab, um sie kurz darauf aber mit minutenlangen Trommelwirbeln zu traktieren. Immer wieder läuft auf der Bühne ein Wettstreit zwischen den Geschlechtern: Wer hat die größten Trommeln, wer kann die lautesten Töne erzeugen - Männer oder Frauen?

Wie ein tiefer Donnerhall klingt der Ton der riesigen bierfassähnlichen Taiko-Trommel, die einen Durchmesser von 1,70 Meter hat und damit optisch stark beeindruckt. Bevor die Musiker auf ihr schlagen, gehen sie ehrfürchtig in die Knie. Die Taiko hat der Überlieferung zufolge schon gegnerische Truppen auf dem Schlachtfeld eingeschüchtert, aber mit ihr zog man in den vergangenen Jahrhunderten auch durch die Straßen, um Feste zu feiern. Bei der Reissaat sollte ihr donnerndes Tönen Insekten verjagen und Regengeister wecken.

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