J.J. Cale bleibt sich treu

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Deutsche Presse-Agentur

Man muss sich J.J. Cale als glücklichen Menschen vorstellen. Da sitzt der 70-Jährige auf seiner Farm im sonnigen Südkalifornien, beackert das Land, und um nicht aus der Übung zu kommen, spielt er ein wenig Gitarre und schreibt ein paar Songs.

Ganz lässig, aber nur so entsteht ja wirklich gute Musik. Der Mann muss sich nichts mehr beweisen, Cale hat seinen “relaxten“ Sound längst perfektioniert. Aber er verfällt halt nie in Routine, und so klingt auch sein neues Album „Roll On“ wieder unglaublich authentisch, sehr rund und so gar nicht nostalgisch.

Dabei mischt der 70-jährige, der erst im Alter von 31 mit dem Album „Naturally“ debütierte, das war 1972, seit einigen Jahren wieder ganz vorne mit. Mit „The Road to Escondido“ legte er 2006 zusammen mit Eric Clapton einen Multiplatin-Erfolg hin, als Produzent heimste Cale für das Album seinen ersten Grammy ein.

Er macht halt (fast) alles selbst. Schreibt die Songs, spielt Gitarre, bedient Synthesizer, Drum-Computer, kümmert sich um Background-Vocals, mischt die Aufnahmen in seinem Homestudio ab, und produziert das Ganze auch noch selbst. „Ein bisschen an der Elektronik herumschrauben“, nennt er das in unvergleichlichem Understatement. Natürlich steckt da jede Menge Arbeit drin, aber auch den neuen zwölf Songs hört man die Mühen nicht mehr an, und das ist die Kunst.

Und so kommt auch „Roll On“ gut in Fahrt, mit dem Scat-Opener „Who Knew“, der eine ganz neue Seite des Sängers aufzeigt. Der wiegelt aber sofort ab, und meint, „wenn ich in der Badewanne singe, dann meist so eine Art Scat-Gesang. Typisch Cale, immer schön tiefstapeln. Dabei gelingt ihm mit „Former Me“ eine wunderbar melancholische Ballade mit Piano-Begleitung, „Where The Sun Don't Shine“ klingt fast hypnotisch, auf „Strange Days“ legt Cale ein schönes Banjo-Picking hin, eine dezente Steel-Guitar erdet das traurige „Leaving In The Morning“.

Und das macht der Mann alles allein. Nur auf „Roll On“ gibt Eric Clapton ein Gastspiel, und drei Songs sind mit Begleitmusikern im Studio von Cales altem Freund David Teagarden in Tulsa eingespielt worden. So kam das gute Dutzend zusammen, J.J. Cale hat uns noch eine Menge zu erzählen.

www.jjcale.com

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