Jürgen von der Lippe und die Problemchen des Alltags

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Nicht dein Ernst
In der ersten Sendung von Jürgen von der Lippe und Sabine Heinrich ist Frank Plasberg der Gast. (Foto: Henning Kaiser / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Jonas-Erik Schmidt

Jürgen von der Lippe findet, dass „Klugscheißer“ kein Schimpfwort sei. Ganz im Gegenteil. „Ich bin ein begeisterter Klugscheißer“, sagt er in seinem bekannten Von-der-Lippe-Ton, bei dem man nie weiß, ob ein akademisches Impulsreferat oder eine Zote folgt. Oft ist es eine Mischung aus beiden. So auch diesmal.

„Besserwisser ist ein Schimpfwort“, klärt von der Lippe auf. Ein Besserwisser sage nämlich hochmütig unangenehme Dinge wie: „Das, was du da gerade gesagt hast, ist nicht ganz richtig.“ Der Klugscheißer dagegen habe oft eine abwegige Anekdote parat. Etwa diese: „Wusstet ihr eigentlich, dass die Gottesanbeterin ihr Männchen nicht nach dem Verkehr den Kopf abbeißt, sondern während des Verkehrs?“

Jürgen von der Lippe ist in seinem Element, wenn er amüsant und amüsiert das Leben erklären kann. Am Sonntag (26. Januar, 22.15 Uhr) wird er das mal wieder im Fernsehen tun. Im WDR startet dann seine neue Show „Nicht dein Ernst!“, bei der er ein Gespann mit Moderatorin Sabine Heinrich („Frau tv“) bildet. Es geht um die ungeschriebenen Regeln des Alltags. Darf man einem Gastgeber sagen, dass sein Essen nicht schmeckt? Kann man in einem Gespräch offenbaren, dass man keine Ahnung hat, wer der andere ist? Solche Fragen.

Für von der Lippe ist das Format ausgesprochen kommod. Zum einen ist er nun 71 Jahre alt, da hat man einfach schon viel erlebt. Zum anderen führt genau genommen Heinrich durch die Sendung, sie stellt die Fragen. „Ich muss da nur sitzen und wenn mir etwas einfällt, haue ich etwas raus“, sagt von der Lippe. „Das ist ein Superjob.“

In jeder Folge gibt es einen Gast und ein Oberthema. Als erster kommt Frank Plasberg („Hart aber fair“), um über „Partys und Einladungen“ zu plaudern - die Show wurde bereits aufgezeichnet, bevor Plasberg aus Krankheitsgründen eine Pause einlegen musste. Er offenbart unter anderem, dass er es für vollkommen in Ordnung hält, bei einer privaten Party um Geldgeschenke zu bitten. Und dass er nach dem Genuss von reichlich Alkohol mal ziemlich desorientiert an der Autobahntankstelle Remscheid West gejobbt hat. Es ist ein Mischmasch aus Anekdoten, Talk und Einspielfilmen.

Für von der Lippe ist die Sendung ein Nachhausekommen - der WDR ist sein Haussender. Unter anderem entstand dort sein Quoten-Hit „Geld oder Liebe“. „Man kommt in ein Produktionsbüro und die Produktionsleiterin kennt man von früher als Kabelhilfe“, berichtet er. Was sein neues Format angeht, so gibt er zu bedenken, dass der Sendeplatz schwierig sei. Früher lief dort mal „Zimmer Frei!“, in die Fußstapfen habe aber noch niemand treten können. Zumal die Show auch noch in der Karnevalszeit läuft, in der die Leute oft weggehen.

„Man hat eigentlich keine Chance, sich über die Quote zu empfehlen“, sagt von der Lippe. Groß belasten scheint das Hans-Jürgen Dohrenkamp, so sein richtiger Name, nicht. Ohne ihm zu nahe zu treten, kann man sagen, dass er in seinem Spätwerk angekommen ist. Im vergangenen Jahr bekam er den Fernsehpreis für sein Lebenswerk.

Show-Partnerin Sabine Heinrich betont, dass von der Lippe nicht zum alten Eisen gehöre. „Er ist sehr zeitgemäß, er weiß ganz viel und bewegt sich wirklich nach vorne“, sagt sie.

Gleichwohl hat Heinrich ein Problem mit von der Lippe. Er schicke ihr neuerdings lustige Videos über WhatsApp, erzählt sie. Heinrich findet das nicht immer genauso lustig, obwohl man sich gut versteht. Wer schon mal in einer WhatsApp-Gruppe mit seinen Eltern war, kennt das Phänomen. „Kann ich Jürgen von der Lippe sagen: Jürgen, ist total lieb von dir, aber ich möchte diese Videos eigentlich nicht?“, fragt sich Heinrich nun. „Ohne, dass er sich zurückgesetzt fühlt?“

Es ist eine Frage, die für eine Spezialfolge taugen würde.

Nicht dein Ernst!

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