Jüdisch-arabisches Duo beim Grand Prix

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Deutsche Presse-Agentur

Es könnte alles so einfach sein in Nahost. Das ist in Kurzform die Botschaft der Sängerinnen Noa und Mira Awad, die beim Eurovision Song Contest im Mai mit einem Friedenslied für Israel antreten.

„Was zwischen zwei Menschen möglich ist, muss auch zwischen zwei Völkern möglich sein“, sagt die von jemenitischen Juden abstammende Noa in Tel Aviv. Sie arbeitet schon seit acht Jahren mit der christlichen Araberin Awad zusammen, mit der sie inzwischen eng befreundet ist. „Wir wollen einen vollständigen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern.“ Optisch bedient die viel dunklere, lebhafte Noa dabei eher das Klischee von der orientalischen Frau als ihre 33 Jahre alte Gesangspartnerin, die eine bulgarische Mutter und einen palästinensischen Vater hat.

„Meine Bedingung für eine Teilnahme bei der Eurovision war, dass auch Mira mitkommt“, erzählt Noa, die bereits seit Jahren international bekannt ist. Ihre Friedensbotschaft klingt für westliche Ohren logisch und fast banal, bringt die beiden Frauen jedoch in ihrer Heimat in Schwierigkeiten. „Wir haben beide einen Preis für unsere Ansichten gezahlt“, sagt die 1969 in Tel Aviv geborene Noa, die in ihrem Heimatland als Achinoam Nini bekannt ist.

Awad erzählt, es gebe im Internet sogar Hassforen gegen sie - auf Hebräisch und Arabisch. Der Sängerin wird vorgeworfen, sie diene der israelischen Besatzungsmacht als Feigenblatt. „Mein Bruder macht sich Sorgen um mich“, sagt die in leuchtendes Rot gekleidete Sängerin und zuckt mit den Schultern. Aber sie bereue keine Sekunde ihre Entscheidung, mit Noa aufzutreten. Sie wolle sich „nicht einbunkern“, sondern ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen.

Die jüdische Israelin Noa hat wiederum mit Vorbehalten rechtsgerichteter Landsleute zu kämpfen. „Die absurdeste Kritik war, dass Israel zwei Araberinnen zur Eurovision schickt“, sagt sie in Anspielung auf ihre jemenitische Abstammung und lächelt dabei abfällig. Aber es gebe auch Unterstützung von Israelis und arabischen Fans. „Das gibt uns Kraft.“ Das Finale der Eurovision findet am 16. Mai in Moskau statt. Beide seien sehr aufgeregt vor dem Wettkampf. „Wir haben noch nichts anzuziehen“, sagen sie im Chor.

Ihr Lied „There Must Be Another Way“, das vergangenen Monat bei einer Vorauswahl die meisten Stimmen bekommen hatte, erzählt vom Schmerz und der Sehnsucht nach Frieden in der Region. Die Frauen singen den Text auf Englisch, Hebräisch und Arabisch und werden begleitet von dem Jazz-Gitarristen Gil Dor. „Wir haben einen langen, harten Weg hinter uns gebracht, Hand in Hand, und die Tränen fließen umsonst, der Schmerz hat keinen Namen, wir warten nur auf den Tag danach - Es muss einen anderen Weg geben“, heißt es in dem Lied. „Deine Augen sagen, eines Tages wird die Angst weg sein. Und wenn ich weine, dann weine ich für uns beide.“

„Wir wollen eine alternative Stimme aus der Region sein“, sagt Awad, die in Israel auch als Schauspielerin erfolgreich ist. „Wir wissen, dass die Realität schlimm ist und sind nicht naiv.“ Doch angesichts der frustrierenden Wirklichkeit von immer neuem Blutvergießen verlieren auch die beiden Optimistinnen manchmal die Hoffnung. „Natürlich, wir streiten uns auch oft, wir sind nur Menschen“, sagt Noa, aber beide lachen dabei. „Wir haben auch nicht alle Antworten.“ In Krisensituationen identifiziere sich jeder zunächst einmal reflexartig mit dem eigenen Lager. „Aber danach reden wir wieder und kommen immer zu dem gleichen Schluss - Gewalt ist nicht der richtige Weg.“

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