Internetportale vernetzen die Spenderwelt

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Deutsche Presse-Agentur

Für 75 Euro entsteht eine Trockentoilette im ländlichen Namibia. Die Ausbildung einer Kindergärtnerin in Togo kostet 333 Euro. Und ein Berliner Mutter-Kind-Projekt sucht dringend einen Hochstuhl. Wer hier ganz konkret helfen will, braucht nicht mehr als einen Computer:

Auf der Plattform „betterplace.org“ reicht ein Mausklick - und das Klo ist finanziert. Andere Portale heißen „HelpDirect.de“, „heldepia.de“ oder „weltretter.org“. Sie alle ermöglichen mit unterschiedlichen Schwerpunkten das Spenden via Internet - und damit eine neue Generation sozialen Engagements.

An der Pinnwand im kargen Büroraum unterm Dach einer Kreuzberger Fabriketage hängen handgeschriebene Dankesbriefe an Spender und Organisatoren. Das wirkt fast wie ein nostalgischer Gruß aus einer vergangenen Zeit, denn das Internet ist hier der Dreh- und Angelpunkt. Wie auf einem Marktplatz können Spender über „betterplace“ hunderte soziale und Umwelt-Projekte in Deutschland und rund um den Globus punktgenau unterstützen. „Wir wollten den Kuchen der auffindbaren Projekte und auch den Kuchen der Spendewilligen vergrößern“, beschreibt Mitgründerin und Ethnologin Joana Breidenbach (43) die Plattform-Idee.

Dazu gehen die fünf Gründer der gemeinnützigen Stiftung Wege, die vor allem der jüngeren Generation über Portale wie YouTube oder MySpace längst bekannt sind: weltweiter Austausch der Netzgemeinde innerhalb kürzester Zeit. „Wir wollen zeigen, dass Helfen Spaß machen kann“, betont Mitgründer Moritz Eckert (29). „Vor allem, wenn es unkompliziert ist. Und man schnell sieht, wo das Geld landet und was die Betroffenen damit machen.“

Das Außergewöhnliche daran ist die Selbstorganisation. Jeder, der Hilfe sucht, kann sein Projekt einstellen. Er braucht dazu nur einen Internetanschluss und am besten auch einen persönlichen Fürsprecher. „Wir setzen auf das Vertrauensprinzip, das "Web of Trust". Jederzeit kann man die Unterstützer und Fürsprecher eines Projekts anmailen und Fragen stellen oder Kritik äußern. Über die Fortschritte wird im Netz regelmäßig gebloggt“, sagt Mitgründer Till Behnke (29). So trenne sich bald die Spreu vom Weizen. „Projekte, die gut geführt sind, viele Unterstützer haben und vielleicht sogar vor Ort besucht wurden, setzen sich durch“, sagt Joana Breidenbach.

Das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen, das das Spendensiegel vergibt, sieht das skeptischer - weil die externe Kontrolle fehle. „Es ist ein guter und wichtiger, aber zusätzlicher Ansatz, dass Spender sich untereinander austauschen. Aber es reicht nicht immer als Qualitätsmerkmal eines Projekts aus“, sagt DZI- Geschäftsführer Burkhard Wilke. Er wünscht sich, dass etwa zertifizierte und mit Spendensiegel versehene Projekte als solche auch ausgewiesen werden. „Das würde mehr Transparenz schaffen. Jeder kann dann selbst entscheiden, ob er einer Initiative mit oder ohne Siegel sein Geld gibt.“

Spender sehen das offenbar weniger eng. Auf betterplace.org gelingt es einer Mutter aus Kamerun, das jährliche Schulgeld für ihrem 14-jährigen Sohn zu sammeln. Und eine Fraueninitiative auf einer kleinen Insel in Tansania bekommt Geld für ein gemeinsames Fischerboot zusammen. Rund ein Jahr ist die Plattform aktiv. 2008 wurden über 500 000 Euro gesammelt, 8000 Nutzer sind registriert.

Die Idee zu dem Konzept kam Behnke fast zur gleichen Zeit wie Joana Breidenbach und ihrem Mann - im Internet fanden sie zusammen. Nach der Schule war Behnke zwei Jahre in Südafrika. „Eigentlich wollte ich da nur Sport machen, aber dann lernte ich verschiedene soziale Projekte kennen. Ich fand es schade, von Deutschland aus nichts mehr davon mitzukriegen“, erzählt er. „Wir waren auf einer fünfmonatigen Weltreise. Dabei haben wir so viele kleine, gut funktionierende Projekte kennengelernt, von denen niemand Notiz nahm und die nie ein offizielles Spendensiegel hätten beantragen können“, ergänzt Breidenbach.

Mittlerweile stellen auch große Hilfsorganisationen einzelne Projekte auf betterplace.org ein. „Wir wollen kein Gegeneinander. Es ist gut, dass es verschiedene Möglichkeiten zum Spenden gibt“, sagt Behnke. Jüngere würden nicht so gern an große Organisationen, sondern lieber für kleine, konkrete Aktionen spenden, so die Erfahrung der Gründer. 100 Prozent dieser privaten Spenden werden laut Satzung weitergeleitet. Die laufenden Kosten der Stiftung werden vom Gewinn der betterplace Solutions GmbH, die es Unternehmen gegen Gebühr ermöglicht ihr soziales Engagement auf betterplace.org vorzustellen, und zur Zeit noch hauptsächlich von Förderern bezahlt. „Wir wollen uns in Zukunft durch diese Dienstleistung selbst finanzieren“, sagt Behnke.

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