Ingo Metzmacher will in Berlin aufhören

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Deutsche Presse-Agentur

Wegen unzureichender Finanzmittel für das Deutsche Symphonie Orchester Berlin (DSO) will Chefdirigent Ingo Metzmacher seinen Vertrag über das Jahr 2010 hinaus nicht verlängern.

Das kündigte er überraschend in einer „persönlichen Erklärung“ auf der Jahrespressekonferenz seines Orchesters in Berlin an. Das Orchester hat Geld für 103 Musiker, dabei beträgt die Sollstärke 114 Musiker. Metzmacher hatte 2007 Kent Nagano in Berlin abgelöst. Das Deutsche Symphonie Orchester gehört neben den Berliner Philharmonikern zu den Spitzenorchestern in der Hauptstadt und auch darüber hinaus in Deutschland.

Nach monatelangen Verhandlungen sei ihm erst jetzt zum ersten Mal der Finanzplan für das Orchester ab 2010 mitgeteilt worden, sagte der 51-jährige Metzmacher. „Dieser Plan ist vollkommen inakzeptabel, da er eine dauerhafte Stellenreduzierung für das Deutsche Symphonie-Orchester zur Folge hat. Ich sehe mich unter diesen Umständen außerstande, meinen laufenden Vertrag als Chefdirigent und künstlerischer Leiter dieses Orchesters zu verlängern.“

Das DSO arbeite überaus erfolgreich in Berlin. „Es hat weit über Deutschland hinaus einen hervorragenden Ruf und blickt auf eine außerordentlich erfolgreiche Geschichte zurück. Es erscheint mir verantwortungslos und nicht nachvollziehbar, gerade diesem Ensemble die Flügel zu stutzen.“ Das Orchester wurde früher unter anderem von Ferenc Fricsay, Lorin Maazel und Riccardo Chailly geleitet.

Die Entscheidung wurde sowohl von der Rundfunk-Orchester und Chöre GmbH (ROC) als Trägergesellschaft wie auch von Mitgesellschaftern wie dem Bund und dem Land Berlin mit Verwunderung aufgenommen. ROC-Intendant Gernot Rehrl bedauerte Metzmachers Schritt als „verfrüht“, da die letzten Entscheidungen noch nicht gefallen seien. Er müsse allerdings als Intendant der ROC, zu dem auch andere Orchester und Chöre gehören, auch für eine „gerechte Verteilung“ der Mittel sorgen. Metzmacher habe eine „wichtige Farbe“ in die Berliner Orchesterlandschaft gebracht.

Ein Sprecher von Kulturstaatssekretär André Schmitz äußerte „etwas Unverständnis“ angesichts der signalisierten Zusage einer Etaterhöhung um insgesamt sechs Millionen Euro für die ROC (auf dann 34 Millionen), „und das angesichts der schwierigen Haushaltslage der öffentlichen Hand“. Auch vonseiten des Bundes hieß es, diese Erhöhung sei „gerade in diesen Zeiten sehr stattlich“. Womöglich gebe es für Metzmachers Schritt noch andere Gründe. Der Dirigent hatte die Pressekonferenz im Kino Babylon nach der Verlesung seiner „persönlichen Erklärung“ sofort wieder verlassen.

Im Zentrum der DSO-Spielzeit 2009/2010 steht das Thema „Versuchung“. Die Themenreihe eröffnet Metzmacher am 5. Oktober mit einem Alban-Berg-Konzert mit der Sopranistin Christine Schäfer. Charles Dutoit dirigiert am 19./20. November Kompositionen von Carl Maria von Weber, Serge Rachmaninoff, Maurice Ravel und Robert Schumann. Solistin ist Martha Argerich. Im Filmkunstkino Babylon gegenüber der Volksbühne gibt es im Mai 2010 auch ein Filmfestival zum Thema „Versuchung“.

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