Informatiker betreibt im Internet einen Schwäbisch-Übersetzer

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Uwe Schmidt (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

„Wir können alles – außer Hochdeutsch“, mit diesem inzwischen berühmten Satz wirbt die Landesregierung für Baden-Württemberg. Der Spruch sagt auch viel aus über das Sprachverständnis der Schwaben, der schwäbische Dialekt, in welcher Form auch immer, ist ihnen heilig. Doch was tun, wenn man kein Schwäbisch kann, schon gar nicht in Schriftsprache? Hier hilft der Informatikprofessor Uwe Schmidt von der Fachhochschule Wedel in Schleswig-Holstein. Schmidt pflegt im Internet ein Programm, das Hochdeutsch in Schwäbisch übersetzt. Dirk Grupe fragte ihn, warum ausgerechnet ein Norddeutscher sich für das Schwäbische engagiert und wie die Menschen aus dem Südwesten auf sein Programm reagieren.

Herr Schmidt, wie kamen Sie auf die Idee, einen Schwäbisch-Übersetzer fürs Internet zu erstellen?

Den Schwäbisch-Übersetzer gibt es schon lange, seit den Anfängen des Internets, als man dynamische Seiten generieren konnte. Ich hatte damals, so um 1997, einen Assistenten an der FH Wedel, der seine Abschlussarbeit bei IBM in Böblingen gemacht hat und dort eine ein kleines Programm fand, das normale Texte nimmt und sie wortweise ins Schwäbische übersetzt. Wir haben dieses kleine Programm nicht erfunden, aber dann hergenommen und damit Textteile stückweise übersetzt. Eine Zeit lang hatten wir sogar eine schwäbische Version meiner Online-Unterlagen zur Vorlesung Objektorientierte Programmierung vorrätig. Die Vorlesung hieß dann „Objekdoriendierde Programmierung mid Java“. Und da war der Schritt nicht weit, eine Web-Seite mit einem Formular zur Eingabe eines Textes zu basteln, der dann ins Schwäbische übersetzt wurde.

Wie kamen Sie ausgerechnet auf Schwäbisch, Wedel liegt bekanntlich im Norden?

Man könnte auch andere Sachen machen, etwa das R immer durch ein L ersetzen, was für uns dann ein wenig wie chinesisches Deutsch klingt. Auf literarischer Ebene hat der Schriftsteller Ernst Jandl damit experimentiert und L und R immer miteinander vertauscht und in dieser Form sogar Gedichte geschrieben. Das ist sehr pfiffig. Es besteht aber auch immer die Gefahr, dadurch andere Kulturen zu diskriminieren. Um dieser Gefahr aus dem Weg zu gehen, haben wir uns für Schwäbisch entschieden.

Im Schwäbischen gibt es teils große Unterschiede beim Dialekt, in welchen übersetzt denn Ihr Programm?

Das weiß ich nicht. Im Wesentlichen haben wir einige Konsonanten ausgewechselt und Endungen verniedlicht. Das ist alles sehr einfach und auf niedrigem Niveau angelegt, also mehr ein Spaß.

Bekommen Sie denn Rückmeldung aus dem Südwesten zu dem Übersetzer?

Ja, immer wieder. Aber wie es zu einem Nordlicht gehört, das versucht, etwas ins Schwäbische zu übersetzen, habe ich immer wieder Kritik aus dem Südwesten einstecken müssen, dass der Übersetzer grob falsch arbeitet. Zum Beispiel hat der das Wort Erdbeeren nicht in das angeblich urschwäbische Wort Breschdling übersetzt. Aber die meisten Schwäbisch-Fans haben diese Unzulänglichkeiten nicht zu ernst genommen und ein wenig Spaß mit diesem auch nicht ernst zu nehmenden Übersetzer gehabt.

Aber kann ein Übersetzer nicht dabei helfen, Dialekte zu bewahren, die ja bisweilen vom Aussterben bedroht sind?

Da bin ich skeptisch. Dialekte, oder bei uns im Norden das Plattdeutsch und das Friesische, werden in irgendwelchen Ecken der Gesellschaft gesprochen und bleiben auch nur so erhalten. Ein Dialekt oder eine Sprache lebt nur, wenn man sie spricht.

Planen Sie dennoch einen Übersetzer für Plattdeutsch, schließlich sind Sie ein Nordlicht?

Nein. Plattdeutsch ist ein andere Sprache. Ein Übersetzungsprogramm wäre wesentlich schwieriger als beim Schwäbischen.

Den Übersetzer finden Sie hier.

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