In „Sieben Leben“ spielt Will Smith einen Bußgänger

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Deutsche Presse-Agentur

Es geht um Leben um Tod. „Ich möchte einen Selbstmord melden“, sagt der Anrufer mit zitternder Stimme. Wer das Opfer sei, fragt der Rettungsdienst am Telefon. „Ich selbst“, lautet die Antwort.

Nach diesem erschreckenden Beginn erzählt das Melodrama „Sieben Leben“ in Rückblenden, wie es zu der finalen Entscheidung kam. Will Smith beeindruckt in der Hauptrolle als Ehemann, der den Tod seiner Frau nicht verkraftet hat.

Smith spielt einen Steuereintreiber, der in das Leben von sieben völlig verschiedenen Menschen eingreift. Einen Blinden (Woody Harrelson) beleidigt er als Krüppel, eine todkranke Patientin (Rosario Dawson) setzt er wegen ihrer Steuerschulden unter Druck, einen anderen schlägt er. Doch kaum ergibt sich dem Betrachter ein Bild vom Choleriker und Sadisten, da gibt er sich unerwartet als Gutmensch: Er setzt sich für eine siechende Greisin ein und besucht voller Sorge eine Bekannte. Schließlich ruft der Bruder an und beschuldigt ihn des Diebstahls.

„Sieben Leben“ entwickelt seine Stärke aus der völligen Desorientierung des Zuschauers. Die Handlung wirft über weite Strecken so viele Fragezeichen auf, dass der Betrachter aus dem Rätselraten nicht mehr herauskommt. Hat sich der gordische Knoten am Ende gelöst, folgt Ernüchterung: Die reizvolle kryptische Handlung entpuppt sich als cineastische Bibellesung vom bußfertigen Sünder. Das ist angereichert mit weltlichem Herzschmerz: In der zweiten Hälfte verliert der Film in einer ziemlich dick aufgetragenen Liebesgeschichte an Fahrt.

Regie führte der Italiener Gabriele Muccino, mit dem Smith schon in „Das Streben nach Glück“ (2006) zusammen gearbeitet hatte. Das war ein sehr amerikanischer Film: Ein Obdachloser arbeitet sich aus eigener Kraft zum Investmentbanker hoch und verwirklicht seinen „American Dream“. Nun wirft Muccino einen Blick auf die Gegenwart in den USA: Der seit „Nine-Eleven“ zunehmende Überwachungsstaat und der sogenannte gläserne Bürger werden problematisiert. Das Christentum wird als Rettung dargestellt. Immer wieder zeigen die Aufnahmen christliche Symbole, ob Marienstatuen im Hospiz oder Jesusbilder an Häuserwänden. An die Stelle von Selbstsucht tritt das eigene Opfer, Nächstenliebe rettet Leben. Das reichlich makabere Endes schwächt den moralischen Zeigefinger kaum ab.

Bei der US-Kritik fiel das Echo auf den Film verhalten aus. Das Branchenblatt „Village Voice“ nannte das Werk „von oben bis unten künstlich“, das „Wall Street Journal“ verglich es mit einem „nassen Kuchen mit unzähligen Schichten an Gefühlsduselei“. „Village Voice“ ging ähnlich hart ins Gericht: „Es ist eine unendlich sentimentaler Fabel über Opfer und Erlösung, die nur auf das Herz zielt und dabei den Kopf vergisst.“ Der US-Kritiker Roger Ebert fällte ein milderes Urteil: „Manche werde den Film bemängeln, weil er emotional manipuliert. Andere wollen emotional manipuliert werden. Dazu gehöre ich - zumindest, wenn der Film gut gemacht ist.“

www.siebenleben-derfilm.de

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