Hitzerekord in Deutschland gefallen: Extremes Wetter beeinträchtigt den Alltag immer mehr

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Umfrage: Was tun gegen die Hitze?
Ob die Menschen in der Region die hochsommerlichen Temperaturen genießen oder sich vielleicht doch das Regenwetter der letzten Wochen zurückwünschen: wir haben in Ravensburg nachgefragt.
Deutsche Presse-Agentur

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet mit einem neuen Hitzerekord in Baden-Württemberg: „Am Donnerstag bekommen wir den Hitzehöhepunkt“, sagte ein Sprecher des DWD am Mittwoch. Punktuell könnten die Temperaturen dann 40 Grad erreichen und sogar knapp darüber liegen. Das gelte insbesondere für die Region Mannheim und Karlsruhe. Im Südosten Baden-Württembergs werden laut DWD an diesem Donnerstag um die 35 Grad erwartet.

Den bisherigen aktuell gültigen Hitzerekord im Südwesten halten Freiburg und Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) mit jeweils 40,2 gemessenen Grad. In Freiburg wurde der Wert am 13. August 2003 gemessen, in Bad Mergentheim am 7. August 2015.

Der deutschlandweite Temperaturrekord ist indes bereits am Mittwoch geknackt worden.  In der Stadt Geilenkirchen nördlich von Aachen seien 40,5 Grad gemessen worden, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Damit sei der bisherige deutsche Hitzerekord vom 5. Juli 2015 mit 40,3 Grad im bayerischen Kitzingen überboten worden.

Der DWD warnte am Mittwoch vor erhöhter UV-Strahlung im Süden des Landes: Die Bevölkerung sollte ungeschützte Aufenthalte in der Sonne vermeiden. Laut Landesanstalt für Umwelt waren am Mittwoch auch die Ozonwerte erhöht. Bei starker Sonneneinstrahlung und geringer Bewölkung könnte dies nach Angaben einer Sprecherin auch am Donnerstag noch der Fall sein. Empfindliche Menschen sollten demnach auf Sport und körperliche Anstrengung im Freien verzichten.

Auch für Vierbeiner kann die Hitze gesundheitsschädlich sein: Der Landestierschutzverband rief dazu auf, Weidetiere mit ausreichend Wasser und Schatten zu versorgen.

Auf Autobahnen gelten wegen der Gefahr hitzebedingter Aufwölbungen teils spezielle Tempolimits. Auf der A7 sind südlich der Anschlussstelle Westhausen und nördlich der Anschlussstelle Dinkelsbühl tagsüber maximal 80 Stundenkilometer erlaubt. Laut Regierungspräsidium Stuttgart gilt das Tempolimit voraussichtlich bis Samstag. Auf der A5 dürfen Autofahrer zwischen der Anschlussstelle Schwetzingen und dem Kreuz Walldorf höchstens mit Tempo 80 fahren. Grund sind hier Fugen in der Fahrbahn, die sich verflüssigen und einen Schmierbelag bilden können.

Im Gegensatz zu der Hitzephase Ende Juni sei es nicht ungewöhnlich, dass zwischen Ende Juli und Mitte August heiße Sahara-Luft nach Deutschland ströme, erklärte der DWD-Sprecher. Vergangene Hitzerekorde seien auch meist in diesem Zeitraum gefallen.

Tierschutzverband: Bevölkerung soll auf durstige Weidetiere achten

Der Landestierschutzverband hat darauf hingewiesen, wegen der Hitze besonders auf ausreichend Wasser und Schatten für Weidetiere zu achten. Neben den Tierhaltern selbst wendet sich der Appell auch an die Bevölkerung. „Notfalls sollte man auch keine Scheu davor haben, offensichtlich durstige Tiere und längerzeitig leerstehende Tränken dem für Tierschutz zuständigen Veterinäramt zu melden“, sagte der Vorsitzende Stefan Hitzler am Mittwoch.

Meckenbeuren: Mehrere Kühe liegen bzw. stehen in der Mittagshitze im Schatten der Bäume.
Meckenbeuren: Mehrere Kühe liegen bzw. stehen in der Mittagshitze im Schatten der Bäume. (Foto: Felix Kästle)

Hohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlung sind den Angaben nach für Weidetiere gesundheitlich sehr belastend. Bereits bei normalen Temperaturen bräuchten Pferde und Rinder rund 40 Liter Trinkwasser täglich.

Im Juni 2018 sind laut Landestierschutzverband Schafe auf einer Weide verendet, weil sie nicht genügend Wasser und Schatten hatten.

Getränkehersteller rufen wegen Hitze zur Rückgabe von Leergut auf

Ein kühles Getränk zur Erfrischung bei der Hitze gönnen sich derzeit viele Menschen, aber bringen wohl die leeren Flaschen nicht schnell genug zurück. Getränkehersteller haben deswegen ihre Kunden dazu aufgerufen, das Leergut möglichst schnell wieder zurückzugeben.

Trotz Vorbereitungen auf die warmen Sommerwochen kommt es etwa beim Mineralwasserunternehmen Franken Brunnen tageweise zu Engpässen, wie Geschäftsführer Michael Bartholl am Mittwoch sagte. Das liege unter anderem daran, dass leere Pfandflaschen aus Glas fehlten. Seit Mitte Juni seien die Auswirkungen der Hitze beim Absatz zu spüren.

Auch die Münchner Paulaner-Brauerei ist nach Angaben eines Sprechers auf die schnelle Rückgabe von Pfand angewiesen. Das Glas-Leergut sei „knapp wie immer in der Hochsaison“.

Vor allem bei enormer Hitze wie derzeit, aber längst nicht nur dann ist ausreichendes Trinken wichtig - doch viele Menschen in D
Vor allem bei enormer Hitze wie derzeit, aber längst nicht nur dann ist ausreichendes Trinken wichtig - doch viele Menschen in Deutschland kommen nicht auf die empfohlene Menge. (Foto: Marcus Führer)

Der oberbayerische Getränkehersteller Adelholzener erklärte, anhand des Wetterberichts jede Woche neu die Produktion und Auslieferung von Wasser sowie Säften zu planen. Die anhaltenden hochsommerlichen Temperaturen spiegelten sich dem Unternehmen nach auch in den Absätzen wider. Ende Juni lag der Gesamtabsatz rund zwei Prozent höher als im Vorjahr.

Nicht mehr alle Schiffe können wegen Hitze auf Donau fahren

Der Schifffahrt auf der Donau in Niederbayern drohen wegen der anhaltenden Hitze und sinkenden Pegeln voraussichtlich Ende der Woche große Einschränkungen. Vor allem Hotelschiffe könnten dann teilweise nicht mehr zwischen Straubing und Vilshofen fahren, weil der Wasserstand zu niedrig sein werde, sagte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts des Bundes am Mittwoch in Regensburg.

Güterschiffe dürfen dann nur noch einen Teil ihrer Ladung transportieren oder gar nicht mehr fahren. Am Mittwochmorgen hatte die Fahrrinne der Donau bei Bogen (Landkreis Straubing-Bogen) eine Tiefe von 1,83 Metern. „Tendenz fallend“, sagte der Behördensprecher.

Umweltorganisation warnt vor Zusammenbruch von Wäldern durch Klimawandel

Die Umweltschutzorganisation BUND hat vor einem „Waldsterben 2.0“ gewarnt und energische Gegenmaßnahmen gefordert. Hitze und anhaltende Trockenheit durch die Klimaerwärmung verschärften die ohnehin schon angespannte Situation in Deutschland inzwischen „dramatisch“, erklärte BUND-Chef Hubert Weiger am Mittwoch in Berlin. Insbesondere große Monokulturwälder aus Fichten und Kiefern würden aufgrund der Stressbelastung regelrecht „zusammenbrechen“.

Der Wald droht sich in Teilen aufzulösen. Dies hätte dramatische Folgen für den Klimaschutz und die Artenvielfalt.

Baden-Württembergs Forstminister Peter Hauk

Auch Baden-Württembergs Forstminister Peter Hauk (CDU) warnte am Mittwoch eindringlich vor dramatischen Waldschäden in Folge des Klimawandels. In seinem Bundesland seien aktuell inzwischen alle weit verbreiteten Baumarten betroffen. „Der Wald droht sich in Teilen aufzulösen“, erklärte Hauk in Stuttgart. „Dies hätte dramatische Folgen für den Klimaschutz und die Artenvielfalt.“

Die durch Dürre, Luftverschmutzung sowie Überdüngung geschwächten Bäume fielen Stürmen, Waldbränden und der massenhaften Vermehrung von Borkenkäfern zum Opfer, berichtete BUND-Chef Weiger. Nötig seien „mutige Entscheidungen“ zum Klimaschutz und ein Wechsel hin zu einer ökologischeren Bewirtschaftung, die Wälder stabiler mache. „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit“. Die Folgen der „Klimakrise“ für Waldbesitzer und die Gesellschaft insgesamt seien „schon enorm“.

Nach Angaben Hauks gibt es neuerdings „immense Schäden“ etwa bei Tannen, obwohl diese Baumart bisher als möglicher Profiteur des Klimawandels galt. In Baden-Württemberg seien in den vergangenen Wochen zudem „bisher nicht bekannte, drastische Schäden an der Buche aufgetreten“. Fichten seien bereits zuvor massiv durch Borkenkäfer geschädigt worden, auch Kiefernbestände litten. Der Minister kündigte einen Notfallplan an und forderte Bundeshilfen.

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