Hintergrund: Internetsprache dient der Abgrenzung

Lesedauer: 3 Min
Deutsche Presse-Agentur

In den vergangenen Jahren hat sich eine Internetsprache entwickelt, die für Außenstehende nur schwer zu verstehen ist. Auch die angebliche Amok-Drohung in einem Internetforum, die sich auf den Fall von Winnenden bezog, enthielt solche Begriffe.

Am vergangenen Mittwoch hatte ein 17-Jähriger bei Stuttgart 15 Menschen und sich selbst erschossen. Die Behörden revidierten am Donnerstagabend Angaben, wonach eine Ankündigung der Tat im Internet auf dem beschlagnahmten Computer des Täters gefunden worden sei.

Die im Netz aufgetauchte und vermeintlich vom Amokläufer verfasste Mitteilung endete mit den Worten „ich trolle nur“. „Als Trolle bezeichnet sich eine Gruppe von Personen, die in verschiedenen Foren herumstreunt und zu jedem Thema provokative Botschaften hinterlässt“, sagt Nino Simunic, Experte für Computerlinguistik an der Universität Duisburg-Essen. Dabei müsse sich die Nachricht nicht einmal wirklich auf das Thema beziehen. Es gehe nur darum, die anderen Nutzer mit der provokanten Meinung zu reizen. Wenn ein Forennutzer „trollt“, ist seine Meinung also überzogen dargestellt und nicht ganz ernst zu nehmen.

Als „Bernd“ wird in der vermeintlichen Ankündigung jeder Benutzer bezeichnet, der sich anonym angemeldet hat. Es ist ein Standardname, der für diese Benutzer vergeben wird. Die Abkürzung „lol“ bedeutet „laughing out loud“, also laut lachen. Das Kürzel wird oft einfach als Synonym für einen Smiley verwendet. „Die Internetsprache dient der Community-Bildung“, sagt Simunic. Der Forennutzer könne sich dadurch mit seiner Internetgemeinschaft identifizieren. Außenstehende werden bewusst davon ausgeschlossen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen