Hinreißender Mickey Rourke als „Wrestler“

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Deutsche Presse-Agentur

Der Lido lag einem Mann zu Füßen: Draußen am roten Teppich johlte das rundum begeisterte Publikum, und drinnen bei der Preisverleihung gab es dann Standing Ovations für Mickey Rourke.

Es war ein Triumph für den 52-jährige amerikanischen Schauspieler. Mit seiner mitreißenden Darstellung als alternder „Wrestler“, der es doch noch einmal wissen will, begeisterte er im Spätsommer 2008 in Venedig schlichtweg alle. Das eindringliche Wrestler-Drama bekam die Trophäe der Lagunenstadt, nicht jedoch Rourke. Das holte er so nach: Erst gab es einen Golden Globe, dann eine Oscar-Nominierung für sein Comeback. Bei der verleihung ging er allerdings leer aus.

Darren Aronofskys dramatischer Film mit starken besinnlichen Noten gab dem Hollywood-Haudegen die Chance, ein gutes Stück weit sein eigenes Leben zwischen Film und Sport mit Höhen und Tiefschlägen anklingen zu lassen. „The Wrestler“, der erst vierte Spielfilm des eigenwilligen US-Regisseurs, kommt jetzt in die deutschen Kinos.

Bei der Verleihung der Preise des 65. Filmfestivals von Venedig gab es Anfang September zwar hochverdient den Goldenen Löwen für den Film, jedoch keine Auszeichnung für das einstige Sexsymbol Rourke („Neuneinhalb Wochen“, „Im Jahr des Drachen“). Der sehr umstrittene Grund: Die Festivalregeln schließen es aus, einen Darsteller aus dem preisgekrönten Werk auch noch zu ehren. Und dieses führte zum Eklat.

Im Mafia-Look war Rourke zur Preisverleihung gekommen, Zigarre im Mundwinkel und sein inzwischen gestorbenes Chihuahua-Hündchen Loki im Arm. Und als der Goldene Löwe für Aronofskys Meisterwerk verkündet war, stürmte er zusammen mit dem Regisseur auf die Bühne. Was folgte, nannte Italiens Presse einen „Fauxpas“ des Präsidenten der siebenköpfigen Jury: Wim Wenders würdigte die „herzerweichende“ Interpretation des Wrestling-Veteranen Randy „The Ram“ Robinson durch den Ex-Profiboxer. Und regte dann an, Venedig möge das Reglement ändern. Auf gut Deutsch: Er hätte an den wie neugeboren wirkenden US- Star auch den Darsteller-Preis gegeben.

Zwei Jahrzehnte nach seiner großen Zeit als Star der Showringer tingelt Randy „The Ram“ Robinson als abgetakelte Legende noch für ein paar Fans zu High-School-Sporthallen und Gemeindezentren rund um New Jersey. Seine kleinen Shows turnen ihn weiterhin an, während das Privatleben in Trümmern liegt. Der Wrestler schafft es nicht, einen Kontakt zu der Tochter (Evan Rachel Wood) neu aufzubauen oder es in der Beziehung zu anderen menscheln zu lassen - von einer Romanze mit einer Stripperin (Marisa Tomei, Golden Globe- und Oscar-nominiert) mal abgesehen. Und als sein Herz nicht mehr mitmachen will, ist Zeit für eine Lebensbilanz. Die fördert kaum Überraschendes zutage: Randy will es nochmals wissen, im Rampenlicht stehen. Der geborene Kämpfer.

Der 39-jährige Filmemacher aus Brooklyn („Pi - Der Film“, „The Fountain“) nennt seinen Hauptdarsteller, dem die Rolle wie auf den Leib geschrieben scheint, „einen vom Erfolg zerstörten Giganten des Kinos.“ Der Arbeitersohn Rourke hatte zunächst eine Karriere als Profiboxer begonnen, sich in den 1980er Jahren dann allerdings zu einem Sexsymbol des US-Kinos hoch boxen können - vor allem in seiner Rolle als an Sado-Maso orientierter Börsenmakler an der Seite von Kim Basinger in dem Film „Neuneinhalb Wochen“. Doch dann war ein Comeback im Boxsport ohne den erhofften Widerhall, und zweitrangige Rollen im Film folgten. Diese Achterbahn des Lebens sieht man dem 54-Jährigen an. Doch Rourke hat sein Können immer wieder in Charakterrollen neu bewiesen. Als „Wrestler“ zeigt er jetzt richtig, was eine Harke ist.

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