Heinz Erhardt wäre 100 geworden

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Deutsche Presse-Agentur

Was war er nur für ein Schelm! „Drum bleib' ich, wenn es mir auch schwer ward, nur Heinz Erhardt“, dichtete der legendäre Komiker einst. Nur?

Der gemütliche Dicke mit Hornbrille und treuherzigem Blick, brillanter Sprachkünstler und gefeierter Blödelmeister zugleich, war einer der beliebtesten und größten Komödianten Deutschlands. Seine gespielt-tollpatschige Art auf der Bühne wie im Film brachte das Publikum zum Schmunzeln und sein Wortwitz Deutschland zum Lachen.

„Im übrigen heiß ich nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen“ - die Menschen in der Nachkriegszeit konnten sich prächtig über seinen Humor amüsieren. Heinz Erhardt, der am Freitag (20. Februar) 100 Jahre alt geworden wäre, war ein Phänomen - und ist bis heute, 30 Jahre nach seinem Tod, unvergessen.

In den 50er und 60er Jahren war der schelmische Wortakrobat, der so herrlich naiv und drollig sein konnte, sich unbeholfen gab und verklemmt kicherte, der Liebling aller. „Er brachte den Deutschen nach dem Krieg wieder das Lachen bei“, heißt es über den Dichter, Schauspieler, Entertainer und Musiker.

Mit Gespür für treffsicheren Witz karikierte Erhardt („Was ich bin doch heute wieder für ein Schelm!“) den Alltag seiner Zeit. Er trumpfte gern mit „Noch 'n Gedicht“ auf und begeisterte mit hintersinnigen Wortspielereien. Wenn er etwa sagte: „Frauen sind die Juwelen der Schöpfung. Man muss sie mit Fassung tragen.“ Wenn er erklärte: „Paradox ist, wenn sich einer im Handumdrehen den Fuß bricht.“ Oder wenn er warnte: „Bei glatter Straße muss man sechzehn geben - doppelt acht.“

Dabei wollte der am 20. Februar 1909 im lettischen Riga geborene Sohn einer musischen Familie eigentlich Pianist werden. Sein Vater - kurz nach der Geburt trennten sich die Eltern - machte als Kapellmeister in Deutschland Karriere, sein Großvater hatte eine Musikagentur. Es war eine sehr unruhige Zeit für den Jungen: Mal wuchs er bei den Großeltern auf, dann holte ihn die Mutter zu sich, dann wiederum nahm ihn der Vater mit nach Deutschland, bis der Junge wieder nach Riga zurückkehrte. Von 1926 bis 1928 studierte Heinz in Leipzig am Konservatorium Klavier und Komposition. Nach der erneuten Rückkehr nach Riga arbeitete er im Musikalienhandel und lernte in einem Fahrstuhl die Liebe seines Lebens kennen: Seine spätere Ehefrau Gilda Zanetti.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg entschied sich Heinz Erhardt, der inzwischen schon Erfahrungen als Stegreifkomiker gesammelt hatte, dann doch für das Theater. „Viele betreten ja die Bretter, die die Welt bedeuten - und merken nicht, dass sie auf dem Holzweg sind“, dichtete er mal. Er selbst war nicht auf dem Holzweg - sondern auf dem Weg nach oben. Nachdem er zur Zeit des Krieges (zur Wehrmacht als Nichtschwimmer bei der Marine einberufen) als Truppenbetreuer tourte, zog er nach Kriegsende mit seiner Familie nach Hamburg. Dort feierte der Erhardt-Humor zunächst im Radio Erfolge.

Als der Film auf ihn aufmerksam wurde, war er schon über 40 und Hörfunkstar. Durch seine Theatertouren und „Bunten Abende“ kannten ihn bereits viele. Er entspräche ja genau den Maßen der Breitwand, witzelte der übergewichtige Entertainer. 1957 spielte er seine erste Hauptrolle im Kino in „Der müde Theodor“, im selben Jahr folgte „Witwer mit fünf Töchtern“ und brach alle Kassenrekorde. Film auf Film kam heraus, darunter „Der Haustyrann“, „Immer die Radfahrer“ und „So ein Millionär hat's schwer“. Das Publikum liebte ihn - als biederen Beamten Willi Winzig ebenso wie als Familienvater.

Seine eigene Familie - drei Töchter und ein Sohn - erlebte ihn als rastlosen Mann, dessen Leben das Showgeschäft war. „In seinen Erinnerungsalben ist nachzulesen, wie er in diesen Jahren buchstäblich von einem Erfolg zum nächsten jagte“, heißt es in der von Rainer Berg und Norbert Klugmann veröffentlichten Biografie. „Sogar seinen Geburtstag, den Hochzeitstag und fast alle Feiertage verbrachte er auf der Bühne. "Ich genieße den Erfolg", notiert er. "Aber was ist, wenn das Publikum mich eines Tages nicht mehr sehen will? Von dieser Angst getrieben, erlaubte er sich keine Schwäche.“ Doch 1971 setzte ein Schlaganfall der Karriere ein jähes Ende: Er nahm ihm die Stimme. Heinz Erhardt saß fortan im Rollstuhl. Acht Jahre später starb der Star der Wirtschaftswunder-Deutschen.

Zu seinem 100. Geburtstag wird der als „Schmunzelmeister“, „Schwergewicht des leichten Humors“ und „Großmeister des Lachens“ gefeierte und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Komiker wieder vielerorts und auf vielfältige Weise gewürdigt - musikalisch, literarisch und filmisch. Sein Enkel Marek Erhardt (39), selbst Schauspieler, staunt über den „Hype“, den der 100. Geburtstag wieder ausgelöst hat. Er sei sehr gespannt, ob sich das Thema Heinz Erhardt auch künftig durchsetzt. „Ob die nachfolgenden Generationen sich von allein mit ihm befassen werden?“ Ob sie dann noch wissen, von wem Weisheiten wie „Wer sich selbst auf den Arm nimmt, erspart anderen die Arbeit“ oder „Pessimisten sind Leute, die mit der Sonnenbrille in die Zukunft schauen“ stammen? Heinz Erhardt jedenfalls hätte dann bestimmt „vor Glück eine ganze Allee von Purzelbäumen“ geschlagen.

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