Handfester Thriller: Tykwers „The International“

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Schwäbische Zeitung

Berlin (dpa) ­ Mit „The International“, dem Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale, legt Tom Tykwer („Das Parfum“) einen handfesten Thriller um die weltweiten Machenschaften skrupelloser Banker vor.

Der Film punktet vor allem mit spannenden Actionsequenzen, einer durchaus ernstzunehmenden politischen Botschaft und dem fesselnden Spiel von Hauptdarsteller Clive Owen („Children Of Men“).

Der Brite Owen spielt mit starker physischer Präsenz und differenzierter Mimik den Interpol-Agenten Louis Salinger. Zusammen mit der New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman, verkörpert von der Australierin Naomi Watts („Inland Empire“), will er eine zwischen Europa, den USA, Afrika und Asien in illegale Waffengeschäfte verstrickte Bank zu Fall bringen. Je länger die Ermittlungen zwischen Berlin, New York, Mailand und Istanbul dauern, umso mehr eskaliert die Gewalt. Schließlich kommt es zu einem brutalen Finale Mann gegen Mann mit überraschendem Ausgang.

Ganz nebenbei und dem Genre angemessen einfach erklärt der Film das eigentliche Ziel solcher verbrecherischen Machenschaften: Die Bank ist nicht an schnellem Profit interessiert. Vielmehr geht es darum, in krisengeschüttelten Ländern über Verschuldung der Konfliktparteien wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu gewinnen. Lange vor dem Eintreten der aktuellen weltweiten Finanzkrise konzipiert und gedreht, wirft der Film damit ein Schlaglicht auf Risiken der Globalisierung. Dies ist von besonderem Reiz und hebt „The International“ von durchschnittlicher Krimikost ab.

Die an Originalschauplätzen, etwa in Mailand und Berlin ins Bild gesetzte Story hat zwar ein, zwei logische Fehler, doch werden diese durch effektvoll inszenierte Action ausgeglichen. Die spektakulärste, in den Babelsberger Filmstudios in Potsdam realisierte Sequenz spielt im New Yorker Guggenheim-Museum, das von einem Killerkommando nahezu in Schutt und Asche geschossen wird. Das Finale dieser Schießerei gehört sicherlich zu den wirkungsvollsten Action-Momenten der jüngeren Filmgeschichte.

Hier und in einigen anderen Szenen zeigt sich Tykwers gutes Gespür für ökonomisches Erzählen und pointierte optische Gestaltung. Dabei verliert er nie seine Protagonisten aus dem Blick, so dass die Schauspieler noch in den grellsten Augenblicken die Chance haben, an der Zeichnung ihrer Figur zu feilen. Neben Owen sticht besonders Armin Mueller-Stahl („Die Manns ­ Ein Jahrhundertroman“) aus dem internationalen Darstellerensemble hervor. Er spielt einen zwielichtigen Bank-Berater mit überaus düsterer Vergangenheit.

„The International“ dürfte Zuschauern gefallen, die eine geradlinige, mit einiger Action gespickte Erzählung schätzen und einen Helden, der mit seiner schlichten Menschlichkeit durchgehend zur Identifikation einlädt. Den Anspruch, unterhalten zu wollen und dabei durchaus ernsthaft und publikumswirksam auf den Zustand der westlichen Welt zu blicken, löst der Film solide ein.

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