Höhlendrama: Acht Jungen gerettet

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Wasser abpumpen
Einsatzkräfte leiten Wasser aus der Höhle, in der die Gruppe eingeschlossen war. (Foto: kyodo / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Wem wird zuerst geholfen?

Die ersten Jugendlichen haben die Höhle in Thailand sicher verlassen — bald sollen weitere folgen. Doch wie entscheiden Einsatzkräfte, wer zuerst gerettet wird? „Auf den ersten Blick wäre es vielleicht logisch, die Schwächsten zuerst raus zu bringen“, sagt Martin Groß von der Höhlenrettung Baden-Württemberg. Die Bedingungen für das Entkommen durch die etwa vier Kilometer lange, teilweise geflutete Höhle seien jedoch extrem. Da müsse man auf jeden Fall zuerst jemanden nehmen, „der psychisch und physisch stabil ist, über den die Ärzte sagen: der packt das“.

Derart langwierige Rettungsaktionen aus Höhlen in Europa sind für Groß schwer vorstellbar: „Bei uns in Mitteleuropa muss eine Rettung aufgrund der kalten Temperaturen in den Höhlen möglichst schnell vonstatten gehen.“ Die Jugendlichen hätten einen so langen Aufenthalt in einer mitteleuropäischen Höhle „ohne Maßnahmen zum Wärmeerhalt“ nicht überlebt, sagt Groß.

Das Interesse und die Anteilnahme der Bevölkerung haben für ihn etwas Positives — Höhlenrettung ist in Deutschland ein reines Ehrenamt. „Wir sind dringend auf neue Mitglieder und Spenden angewiesen.“

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Im Höhlendrama von Thailand wächst nach über zwei Wochen Bangen und Zittern die Hoffnung auf ein glückliches Ende. Mit einer neuen Rettungsaktion über viele Stunden hinweg gelang es Spezialtauchern am Montag, vier weitere Kinder aus der Höhle im Norden des Landes ans Tageslicht zu bringen. Damit sind nun acht Spieler der Fußball-Mannschaft gerettet. Vier Jungen und ihr Betreuer müssen — nach allem was bekannt ist — noch in der Höhle ausharren, jetzt schon seit 16 Tagen.

Vermutlich wird die Rettungsaktion nun am Dienstag fortgesetzt, wenn die Taucher neue Kräfte gesammelt haben und auch die Versorgung mit Atemluft auf dem vier Kilometer langen Weg nach draußen sichergestellt ist. Möglicherweise wird dann gleich versucht, die letzten fünf Eingeschlossenen zusammen herauszuholen. Offiziell gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

Krankenwagen mit den geretteten Jugendlichen. (Foto: AFP)

Die Aktion stützt sich auf ein Team von mehr als einem Dutzend internationaler Spezialtaucher. Weil in Südostasien gerade Monsun-Saison ist und neue schwere Regenfälle drohen, ist sie auch ein Kampf gegen die Zeit. Die Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non, wo das Team am 23. Juni von Wassermassen überrascht wurde, liegt ganz im Norden Thailands an der Grenze zu Myanmar. Die geretteten Kinder werden jetzt in einem Krankenhaus der Provinzhauptstadt Chiang Rai behandelt.

Noch am Montag sollten die ersten Jungen Besuch von ihren Familien bekommen dürfen. Allerdings müssen sie nach den zwei Wochen in fast kompletter Dunkelheit äußerst vorsichtig wieder ans normale Leben herangeführt werden. Zunächst einmal sollen sie von Ärzten aufs Gründlichste untersucht werden. Befürchtet wird, dass auch die Psyche Schaden genommen haben könnte.

Den vier Jungen, die bereits am Sonntag gerettet werden konnten, geht es nach offiziellen Angaben verhältnismäßig gut. Über den Zustand der anderen wurde zunächst nichts bekannt.

Mit dem ersten Wiedersehen mussten sich die Familien der vier geretteten Jungen gedulden. Der achte Stock der Klinik in Chiang Rai ist von der Polizei abgesperrt. Am Montag war zu beobachten, wie eine erste Gruppe von Zivilisten eingelassen wurde. Von Seiten des Krankenhauses gab es aber keine Bestätigung dafür, dass dies bereits Familienangehörige waren.

Nach Angaben von Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn lief der zweite Großeinsatz seit 11.00 Uhr Ortszeit (07.00 Uhr MESZ). Er dauerte dann bis in den Abend. Die Höhle ist nach seiner Darstellung weiterhin teilweise überflutet, das Wasser aber gesunken. „Der Wasserstand ist tief. Das Wetter ist gut. Die Ausrüstung ist bereit“, sagte er zu Beginn der Aktion.

Nach Regenfällen über Nacht schien am Montag in der Region die Sonne. „In ein paar Stunden werden wir gute Nachrichten bekommen“, sagte der Gouverneur — damit behielt er dann auch Recht.

Die Rettung des Fußballteams namens „Wildschweine“ ist sehr gefährlich. An manchen Stellen ist der Weg so eng, dass die Taucher ihre Atemluft-Flaschen abschnallen müssen. Darüber hinaus kann man im Wasser kaum sehen. Bei der Vorbereitung der Mission ertrank am Freitag ein erfahrener thailändischer Taucher. Jetzt nehmen jeweils zwei Retter die Jungen, von denen kein einziger richtig tauchen kann, ins Schlepptau. Alle tragen Taucheranzüge und sind mit Taucherbrillen ausgerüstet. Die Profis versorgen sie mit Luft.

Insgesamt sind etwa 90 Taucher im Einsatz. Das Kernteam besteht aus 18 Spezialtauchern, davon der größte Teil aus Ländern wie Australien und Großbritannien. Insgesamt sind mehr als tausend Retter im Einsatz.

Höhlenforscher im Blautopf

Der Mörikedom, die Apokalypse und der Friedhof der Kuscheltiere – so haben die Forscher der Blautopfhöhle ihre größten Entdeckungen genannt. Hohlräume mit haushohen Decken und ebenso großen Stalaktiten. Und diese Liste soll in Zukunft noch erweitert werden. Das ist zumindest der Traum von Höhlenforscher Andreas Kücha. Er taucht seit mehr als 20 Jahren in der Blautopfhöhle. Uns hat er erzählt, was in immer wieder in die Tiefen des Blautopfs zieht.

Wem wird zuerst geholfen?

Die ersten Jugendlichen haben die Höhle in Thailand sicher verlassen — bald sollen weitere folgen. Doch wie entscheiden Einsatzkräfte, wer zuerst gerettet wird? „Auf den ersten Blick wäre es vielleicht logisch, die Schwächsten zuerst raus zu bringen“, sagt Martin Groß von der Höhlenrettung Baden-Württemberg. Die Bedingungen für das Entkommen durch die etwa vier Kilometer lange, teilweise geflutete Höhle seien jedoch extrem. Da müsse man auf jeden Fall zuerst jemanden nehmen, „der psychisch und physisch stabil ist, über den die Ärzte sagen: der packt das“.

Derart langwierige Rettungsaktionen aus Höhlen in Europa sind für Groß schwer vorstellbar: „Bei uns in Mitteleuropa muss eine Rettung aufgrund der kalten Temperaturen in den Höhlen möglichst schnell vonstatten gehen.“ Die Jugendlichen hätten einen so langen Aufenthalt in einer mitteleuropäischen Höhle „ohne Maßnahmen zum Wärmeerhalt“ nicht überlebt, sagt Groß.

Das Interesse und die Anteilnahme der Bevölkerung haben für ihn etwas Positives — Höhlenrettung ist in Deutschland ein reines Ehrenamt. „Wir sind dringend auf neue Mitglieder und Spenden angewiesen.“

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