Grass: Wiedervereinigung war übers Knie gebrochen

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Deutsche Presse-Agentur

Der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass (81, „Die Blechtrommel“) rechnet 20 Jahre nach dem Mauerfall mit der Deutschen Einheit ab.

Er wolle in seinem 1990 geschriebenen Tagebuch „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“ darstellen, „welche grundsätzlichen Fehler begangen wurden“, sagte Grass auf der Leipziger Buchmesse. Er bezeichnete die Ereignisse als „Ruck-Zuck-Wiedervereinigung“. Grass ist mit diesem Thema nicht alleine: 20 Jahre nach dem Fall der Mauer befassen sich dutzende Autoren mit der DDR und der Wende. Der Ruf des lange Zeit als „Chefaufklärer“ gefeierten Schriftstellers hatte 2006 Schaden erlitten, als er sich zu seiner Vergangenheit in der Waffen-SS bekannte.

Grass bezeichnete die Westdeutschen als „Kolonialherren“, die „von ihrem hohen Siegerross herunterkommen“ müssten. „Alles, was in der DDR geschaffen wurde, sollte auf den Müllhaufen. Das ging den Verlegern so. Das ging allen in der Kultur so“, sagte Grass. „Die Menschen, vor allem in den neuen Bundesländern, zahlen noch heute den Preis dafür, dass die Einheit übers Knie gebrochen wurde.“

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