Goldener Bär für „La Teta Asustada“

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Deutsche Presse-Agentur

Der Andenstaat war zum ersten Mal im Berlinale-Wettbewerb vertreten und räumte auf Anhieb ab. Die 32-jährige Regisseurin erzählt von einer jungen Frau, die an den Folgen des Jahre zurück liegenden Terrorsystems in Peru leidet. Gleich zwei Silberne Bären vergab die von der britischen Schauspielerin Tilda Swinton geleitete Jury an den deutschen Beziehungsfilm „Alle Anderen“ von Maren Ade.

„Das ist für Peru, für unser Land“, sagte Llosa bei der Preisverleihung am Samstagabend strahlend. Zum zweiten Mal in Folge gewann damit ein Film aus Lateinamerika. 2008 hatte „Tropa De Elite“ (Elite-Einheit) des Brasilianers José Padilha den Goldenen Bären bekommen. Die Entscheidung für „La Teta Asustada“ fiel nach Angaben von Swinton einstimmig in der Jury. Dem Gremium gehörten auch der Film- und Theaterregisseur Christoph Schlingensief und der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell an. Die Jury habe sich entschlossen, „die Filme und Künstler auszuzeichnen, denen es gelingt, politisches Statement und poetische Form in ein ausgeglichenes Verhältnis zu setzen.“

Ades fein beobachtetes Liebesdrama „Alle Anderen“ wurde mit dem Großen Preis der Jury geehrt. Der Preis ging zu gleichen Teilen auch an die Tragikomödie „Gigante“ von Adrián Biniez aus Uruguay. Einen Silbernen Bären als beste Darstellerin erhielt die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr für ihre Darstellung der weiblichen Hauptfigur Gitti in „Alle Anderen“. „Das bedeutet mir alles sehr viel, es bedeutet auch viel für unsere Arbeit“, sagte die aus Karlsruhe stammende Ade.

„Ich bin sehr glücklich, auch wenn ich nicht so wirke“, meinte die sehr berührte Regisseurin. Minichmayr dankte der Regisseurin, ihr diese Rolle anvertraut zu haben. „Ich lieb' dich einfach so viel.“ Der von vielen als Favorit gesehene deutsche Film „Sturm“ von Hans-Christian Schmid ging bei der Bären-Vergabe leer aus.

Als bester Darsteller wurde der in Mali geborene, 72-jährige Sotigui Kouyate mit einem Silbernen Bären geehrt. Er verkörpert in dem Drama „London River“ über die Auswirkungen der Bombenanschläge in London 2005 (Regie: Rachid Bouchareb/Frankreich) die männliche Hauptfigur. Der Preis für die beste Regie ging an den iranischen Regisseur Asghar Farhadi für sein Gesellschaftspanorama „Alles über Elly“. Farhadi sagte: „Ich danke Gott. Wenn er mir nicht geholfen hätte, wäre ich jetzt nicht hier.“

Im Mittelpunkt des Gewinnerfilms „La Teta Asustada“ steht Fausta, beeindruckend gespielt von Magaly Solier. Ihre Mutter wurde zur Zeit des Terrors durch die Guerilla-Organisation „Leuchtender Pfad“ in den 80er und 90er Jahren ein Opfer von Vergewaltigung. Die nun erwachsene Tochter, zum Zeitpunkt des Gewaltaktes im Mutterleib, trägt psychisch schwer an den Folgen. Nach einem Volksglauben wird das Leid der Geschändeten über die Muttermilch an die Nachkommen weitergegeben.

Viele Frauen und Männer in Peru leiden an der „La Teta Asustada“ genannten Krankheit, die Depressionen und Ängste verursacht, und für die die Wissenschaft keine Erklärung hat. Der Film beeindruckt durch stilistische Strenge, ruhige Bilder, wenig Dialoge und den Gesang von Fausta, mit dem sie gegen ihr Leid ankämpft. Gleichzeitig wird der Alltag der Ärmsten der Armen in Peru auch mit feinem Humor gezeigt. Claudia Llosa ist die Nichte des Schriftstellers Mario Vargas Llosa („Tod in den Anden“). Der Gewinnerfilm, eine peruanisch-spanische Koproduktion, ist ihre zweite Regiearbeit.

Für das beste Drehbuch wurden Regisseur Oren Moverman und sein Mitautor Alessandro Camon für das US-amerikanische Anti-Kriegsdrama „The Messenger“ geehrt. Einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung bekamen die Sounddesigner Gábor Erdélyi und Tamás Székely für ihre Arbeit an dem in den Karpaten spielenden Rache-Epos „Katalin Varga“ von Peter Strickland (Großbritannien). „Gigante“ erhielt auch die Auszeichnung als bester Erstlingsfilm und teilt sich zudem den Alfred-Bauer-Preis mit Andrzej Wajdas „Der Kalmus“ aus Polen.

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