Gerhard Richter in München und London

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Gleich zwei Ausstellungen des deutschen Malers Gerhard Richter, für dessen Werke international Rekordpreise erzielt werden, sind am Donnerstag eröffnet worden - in München und in London.

Nach dem Museum Ludwig in Köln präsentiert nun das Haus der Kunst in München mehr als 60 abstrakte Gemälde und 100 Hinter-Glas-Bilder des 77 Jahre alten weltweit begehrten Künstlers. Gleichzeitig zur Münchner Schau „Gerhard Richter - Abstrakte Bilder“ (bis 17. Mai) ist in der Londoner National Portrait Gallery eine Ausstellung zu sehen, die sich auf Richters Porträts und figurative Arbeiten der vergangenen 40 Jahre konzentriert (bis 31. Mai).

Richter selbst gab sich bei der Ausstellungseröffnung in München gewohnt wortkarg, aber humorvoll. Die Interpretation seiner abstrakten Großformate von 1986 bis 2008 überließ er weitgehend dem Publikum. Jedoch bekräftigte er seine Philosophie, wonach er nicht der Realität misstraut, sondern dem Bild, das die Sinne vermitteln. Sein Misstrauen in seine Bilder sei sogar „eher größer geworden“, bekannte Richter.

Kritik, dass seine farbenprächtige, an Volkskunst erinnernde abstrakte Hinter-Glas-Reihe an Kitsch grenze, fand Richter berechtigt. „Das stimmt“, sagte er. Aber es sei die „distanzierteste und reinste Form“, die er geben könne. Auf die Frage, warum der Titel dieser Bilder-Reihe mit ihren kräftigen vor allem gelben und roten Farbtupfern ausgerechnet „Sindbad“ laute, antwortete Richter: „Sindbad passt am besten.“

Richters abstrakte Bilder machen heute etwa zwei Drittel seines Gesamtwerks aus. Ausgangspunkt der Schau in den hohen Hallen des ehemaligen Münchner Nazi-Protzbaus sind die Serien „Cage“ (2006) und „Wald“ (2005). Die Ausstellung verfolgt nach Worten des Kurators Ulrich Wilmes aber nicht die Absicht, Richters abstrakte Gemälde in eine Entwicklungsreihe zu stellen. Dies sei ohnehin schwierig, da die Entstehung von Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung geprägt sei.

Richter trägt Farben mit Pinseln, Rakeln und Spachteln Schicht für Schicht auf, so dass untere Schichten überlagert werden oder sogar ganz verschwinden. Die Schau präsentiert Werke aus 23 privaten und öffentlichen Sammlungen, die wie die Reihe „Wald“ teilweise erstmals in Europa zu sehen sind.

In London hat die Portrait Gallery am Trafalgar Square rund 35 Ölgemälde aus internationalen Museen und aus Privatbesitz zusammengetragen. Nach Angaben der Kuratoren ist es das erste Mal, dass Richter-Porträts in einer Ausstellung zusammenhängend gezeigt werden. Richter hatte 1962 mit der Porträt-Malerei begonnen, wobei er ausschließlich Fotos aus Zeitungen, Zeitschriften und Familienalben zur Grundlage für seine Ölgemälde nahm.

Zu den frühen Schwarz-Weiß-Werken gehört unter anderem eine Darstellung der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot und das Bild „Frau mit Schirm“ von einer trauernden Jacqueline Kennedy. Zu den späteren Gemälden in Farbe, die in London zu sehen sind, gehören Akte und Porträts von Richters drei Ehefrauen und seinen Kindern. Das erst 2007 entstandene Porträt „Ella“ von Richters jüngerer Tochter Ella Maria, das aus einer Privatsammlung stammt, wird in London erstmals öffentlich ausgestellt.

www.npg.org.uk

www.hausderkunst.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen