Gefürchtetes Wetter-Phänomen: Warum es „Eisheilige“ heißt und Hobby-Gärtner oft kalt erwischt

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Wie mit einem Zuckerguss überzogen sind am 14.11.2013 kleine Eiskristalle auf einer Blume zu sehen, die an einem Feldrand im Lan
Vor allem bei Gärtnern und Winzern waren die "Eisheiligen" früher gefürchtet. (Foto: Patrick Pleul / dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Vor allem bei Gärtnern und Winzern waren die "Eisheiligen" früher gefürchtet. Wenn Polarlufteinflüsse im Mai noch letzte Kälteeinbrüche mit Frost nach Mitteleuropa bringen, droht gerade jungen Pflanzen große Gefahr.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aber sind solche Frosteinbrüche - verglichen mit früheren Jahren - neuerdings immer seltener geworden. Viele Experten sehen die Ursachen nicht zuletzt im Klimawandel.

Der Ausdruck kommt nicht aus der Meteorologie. Der Begriff "Eisheilige" für die Zeit vom 11. bis zum 15. Mai geht auf den kirchlichen Heiligenkalender und die Prägung des ländlichen Lebens durch die religiösen Feste zurück.

Namensgeber sind frühchristliche Bischöfe und Märtyrer: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, auch "kalte Sophie" genannt. Es gibt allerdings regionale Unterschiede. 

Generelle spricht man hier von Spätfrösten oder auch weniger gängig, dafür aber verständlicher, von Frühlingsfrösten. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sind die "Eisheiligen" demnach ein Frost, der nach Beginn der Vegetationsperiode auftritt.

Und genau das macht ihn so gefährlich: Denn die Pflanzen im Garten treiben nun schon von der Frühlingssonne angeregt aus, manches blüht sogar schon. Daher können Spätfröste laut DWD insbesondere im Obst-, Gemüse- und Weinbau Schäden verursachen.

Nicht voreilig Garten und Balkon bepflanzen

Für Hobbygärtner heißt das: Frostempfindliche Pflanzen, gerade viele Gemüsesorten, werden am besten erst nach der möglichen Spätfrostphase in den Gartenboden gesetzt.

Und kälteempfindliche Topfpflanzen, die den Winter im Haus eingelagert waren, werden nur dann schon ins Freie getragen, wenn es warm genug ist. Das heißt: Die Temperaturen sollten dauerhaft über zehn Grad liegen. Und wenn dann doch noch mal wieder eine frostige Nacht droht, sollte das Grün wieder ins Haus geholt oder mit einem Vlies über Nacht warm eingepackt werden.

Eisheilige als Orientierungsdatum

Das Ende dieser Spätfrost-Gefahr in Deutschland markieren traditionell die "Eisheiligen". 

Um sie herum wurden in der Vergangenheit zahlreiche Bauernregeln überliefert, die die Gartenregel festhalten: "Pflanze nie vor der kalten Sophie" oder "Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder". Und besonders schön: "Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost".

Aber es zeigt sich immer wieder auch: Die Gedenktage sind nur eine grobe Orientierungshilfe. Nicht jedes Jahr bringt noch Spätfröste bis Mitte Mai - in den vergangenen Jahren blieben sie oft ganz aus.

Zudem gibt es heute wissenschaftlich ausgeklügelte Wettervorhersagen, auf die sich Gartenbesitzer besser verlassen können.

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