Forscher: Reprogrammierung statt Embryo-Stammzellen

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Deutsche Presse-Agentur

Der Münsteraner Stammzellforscher Prof. Hans Schöler hat mit seiner Gruppe erstmals Körperzellen von Mäusen mit Hilfe nur eines Gens zu einer Art embryonaler Stammzellen rückprogrammiert.

Der geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin hält solche sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (ipS-Zellen) in der Medizin für aussichtsreicher als die ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen, wie er im Interview „Drei Fragen, drei Antworten“ der Deutschen Presse-Agentur dpa ausführt.

Für die Gewinnung der ersten ipS-Zellen waren noch vier eingeschleuste Gene nötig, Ihre Gruppe ist jetzt mit einem einzigen ausgekommen. Wird es demnächst patienteneigene, induzierte pluripotente Stammzellen ganz ohne eingeschleuste Gene geben?

Schöler: „Das ist das Ziel und das halte ich für realistisch. Erst vor zwei Jahren hat der Japaner Shinya Yamanaka die ersten induzierten pluripotenten Stammzellen publiziert. Schauen Sie, wie weit wir jetzt sind. Zuerst waren vier Gene nötig, dann drei, zwei und jetzt eins - danach kommt null. Wir sind jetzt quasi kurz vorm Ziel. Es arbeiten weltweit so viele Gruppen daran - wenn wir es nicht schaffen, schafft es eine andere Gruppe. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir eher brauchbare ipS-Zellen haben werden als eine entsprechende Therapie mit embryonalen Stammzellen.“

Für Ihre Methode haben Sie auf Nervenstammzellen von Mäusen zurückgegriffen. Sind solche Zellen nicht viel zu schwer zu gewinnen, um sie für den medizinischen Einsatz beim Menschen zu nutzen?

Schöler: „Neurale Stammzellen fallen bei operativen Eingriffen immer wieder an. Außerdem versucht man, sie beim Zähneziehen zu gewinnen. Neurochirurgen haben mir versichert, dass es nicht unmöglich ist, sie gezielt zu entnehmen. Aber es wäre natürlich viel besser, Haut- oder Blutstammzellen zu nehmen. Daran muss man arbeiten.“

ipS-Zellen werden ethisch unbedenklich aus Körperzellen gewonnen. Machen sie die umstrittenen embryonalen Stammzellen überflüssig?

Schöler: „Deutschen Forschern wird immer gesagt, konzentriert euch doch auf adulte Stammzellen. Aber nur weil wir wussten, was eine embryonale Stammzelle ausmacht, konnten wir adulte in embryonale umwandeln. Wenn Sie ein Auge zuhalten, dürfen Sie nicht erwarten, dreidimensional zu sehen.“

Interview: Till Mundzeck, dpa

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