Folkerts und Borsody auf „Spurensuche“

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Schwäbische Zeitung

Hamburg (dpa) ­ „Spurensuche“ mit TV-Größen: Die vor allem aus dem Fernsehen bekannten Schauspielerinnen Ulrike Folkerts (47) und Susanne von Borsody (51) sind zur Zeit in Francis C. Winters Stück „Spurensuche“ im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater zu erleben.

Bei der Uraufführung am Donnerstagabend erhielt das Stück über Missbrauch und die Ermordung eines Kindes wohlwollenden Applaus. Mit spürbarem Engagement spielt Folkerts in der Regie von Claudia Prietzel und Peter Henning die Mutter Marie des toten achtjährigen Lukas (Max Lambrecht). Nach zwei Jahren sucht sie die Begegnung mit der Mutter des Täters, Hannah, die die Wahrheit jedoch lieber verdrängt. Trotz der deutlich guten Absichten aller Beteiligten zeigte der Theaterabend einige Schwächen.

Auf der Drehbühne, die neben sachlich-kühlen Wohnräumen und einer Gefängniszelle viel Leere bietet (Bühne: Colin Walker), entwickelt das Geschehen über Einsamkeit und die Sehnsucht nach Nähe, über Illusionen und die Last der Erinnerungen kaum die notwendige psychologische Intensität. Allzu oft wirken Leid und Tiefe mehr vorgegeben und deklamiert als glaubwürdig von innen heraus entwickelt.

Bereits die Textgrundlage des 38-jährigen Verfassers - dem Adoptivsohn der Schauspielerin Judy Winter - macht es Regie und Darstellern schwer: Das Werk verliert sich immer wieder in Klischees und simpler Symbolik. Wenn etwa der junge Täter Ben (Meo Wulf) im Knast zu seinem überdimensionalen Teddybären sagen muss, „Du bist der einzige, der mich versteht“, erscheint das genauso trivial wie die Kindheitserinnerungen seiner Mutter: „Es war eine emotionale Kälte.“

Dem Regie-Duo Prietzel und Henning gelingt es nicht wirklich, Beziehungen und Beziehungslosigkeit zu gestalten. Im ausgeschnittenen, geblümten Kleid und mit Langhaarperücke sowie mit stark emotionalen Gesten formuliert Folkerts ­ im Fernsehen seit 1989 die herbe „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal ­ eher überzeichnend die inneren Qualen ihrer Bühnenfigur. Dagegen bleibt Borsody als im Wunschdenken über ihren Sohn („Er ist ein großer Künstler“) befangene Täter-Mutter zu statuenhaft und unschlüssig.

Francis C. Winter arbeitet als Schauspieler auf Bühnen in Berlin und Hamburg sowie bei Film und Fernsehen („Dr. Sommerfeld ­ Neues vom Bülowbogen“). 2006 gab Winter mit der Boulevard-Komödie „Schöne Überraschung“ über Rassismus, Toleranz und Akzeptanz seinen Einstand als Dramatiker.

www.ernst-deutsch-theater

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