Fischer sucht Frau

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Fischer sucht Frau
Alex (Sebastian Fräsdorf) mit seiner alten Liebe Marie (Cornelia Gröschel) auf dem Fischkutter. (Foto: DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Carsten Rave

Junge Leute zieht es unwiderstehlich in die Stadt. Auch den Jungunternehmer Alexander (Sebastian Fräsdorf), der von seiner Heimat an der ostholsteinischen Küste kommend in Hamburg Fuß gefasst hat und dort mit seinem Partner Stefan (Patrick Abozen) ein IT-Unternehmen gründen will.

Kaum stoßen die beiden auf das gemeinsame Business an, erreicht Alexander auch schon ein Einschreiben von der Sozialbehörde seines Heimatkaffs Stresund: Er muss für den Unterhalt seines Vaters Fred (Uwe Rohde) aufkommen.

Das passt dem hippen Startupper nun überhaupt nicht, und so will Alex gleich zu Beginn der 90-Minuten-Komödie „Fischer sucht Frau“ an diesem Freitag (20.15 Uhr) im Ersten auf einem kurzen Trip ins Fischerdorf die Sache mit dem Amt regeln, damit er wieder ungehindert seinen Geschäften nachgehen kann. Doch die Reise zu seinem Vater, mit dem er seit Jahren kein Wort mehr gewechselt hat, verändert in wenigen Minuten sein Leben. Andernfalls wäre wohl kaum ein tauglicher Filmstoff zustande gekommen.

Sein Vater ist querschnittgelähmt, Alex muss ihm gleich die Pfanne verpassen. Nichts für den Yuppie, der die PC-Tastatur behänder bedient als Krankenhausgeschirr. Er beschließt nach kurzem Streit mit der Behörde, die Immobilie zu verkaufen. „Wo soll ich bleiben - im Pflegeheim? In diesem Haus bin ich geboren, und dort will ich auch sterben“, pflaumt ihn der Alte an. Alex ist zurück in Stresund, die Realität hat ihn richtig auflaufen lassen. Auch die alten Fischerkumpel und seine alte Liebe Marie (Cornelia Gröschel) behandeln ihn schroff. Der verlorene Sohn bekommt die volle Breitseite ab.

Vielleicht ist der Film bis zu diesem Moment, da er rund 15 Minuten gelaufen ist, einigermaßen realistisch. Das Kind zieht es in die große Stadt, es will Karriere machen, zu Hause auf dem platten Land lastet der Mief und jammern irgendwann die hilfsbedürftigen Eltern.

Im Ersten ersinnt der Protagonist eine Lösung gegen Festgefahrenheit und Tristesse durch Verödung und Stillstand. Er lässt die Schar hart arbeitender Jungfischer zum Speeddating antreten und verhilft dem gottverlassenen Stresund damit zu ungeahntem Aufschwung. Auch die Liebe lässt nicht lange warten - und die Geschäfte in Hamburg? Wurscht!

Der Film von Autorin Judith Westermann und Regisseur Sinan Akkus gerät nach anfänglichem, hoffnungsvollen Schwung dann mit der Bewegungsarmut des dörflichen Umfelds dann auch etwas ungewollt in eine etwas träge Slow Motion, weil auch das Speed Dating einen langen Anlauf braucht und den Zuschauer nicht unbedingt fantasievoll mitnimmt.

Immerhin schaffen es solide Charaktere wie Uwe Rohde („Neues aus Büttenwarder“), Bruder von Armin Rohde, und die Crew der witzigen Fischerleute, die so ein bisschen sind wie die „Sch'tis in Frankreichs Erfolgskomödie „Willkommen bei den Sch'tis“, dem Publikum ein Schmunzeln abzuringen.

Die Schauspieler haben unterschiedliche Erfahrungen aus dem Film mitgenommen: „Ich bin noch nie auf einem Fischkutter gewesen und war auch noch nie Angeln“, sagte Marie-Darstellerin Cornelia Gröschel (31), die auch im Dresdner „Tatort“ mitwirkt, dem Ersten in einem Interview zum Film. „Die teilweise noch lebenden Fische anzufassen, war anfangs eine ziemliche Überwindung“.

Hauptdarsteller Fräsdorf (33) hingegen musste sich nicht erst mit dem Wasser anfreunden. „Ich habe während der Schulzeit eine Weile in Glückstadt an der Elbe gewohnt, da gehörte Fischen quasi zum Unterricht“.

Speeddating wie im Film habe er noch nie praktiziert. Bisher noch nicht, dennoch: Der Prozess, bis es überhaupt zu einer Verabredung zweier Menschen komme, sei von Angesicht zu Angesicht schon sehr aufregend, meinte Fräsdorf.

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