Feuerdrama zerstört Notre-Dame

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Das Feuer war gegen 18.50 Uhr ausgebrochen und breitete sich schnell aus.
Das Feuer war gegen 18.50 Uhr ausgebrochen und breitete sich schnell aus. (Foto: Fotos: afp/dpa)

Es ist das schlimmste Drama, das Paris passieren konnte: Die Kathedrale Notre-Dame, das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt, ist am Montagabend in Flammen aufgegangen. Meterhohe Feuersäulen schlugen stundenlang aus dem Dach des Kirchenhauses und fraßen sich in das Innere. Vom gesamten hinteren Teil des meist besuchten Denkmals Europas blieb nur noch ein verkohltes Gerippe übrig. Auch die weltberühmten Glasfenster, Statuen und Wasserspeier wurden Opfer der Flammen. Die Fassade mit den beiden flachen Türmen war in dicke Rauchwolken gehüllt. Immer wieder zeigte das Fernsehen das Bild des brennende Spitzturms auf dem hinteren Teil des Daches, der kurz vor 20 Uhr zusammenbrach.

Das Ereignis war so dramatisch, dass Präsident Emmanuel Macron seine lange erwartete Ansprache zu Sozialmaßnahmen auf einen späteren Zeitpunkt verschob. „Wie alle unsere Landsleute bin ich diesen Abend traurig, diesen Teil von uns brennen zu sehen“, schrieb der Staatschef im Kurznachrichtendienst Twitter, bevor er sich vor der mehr als 850 Jahre alten Kirche selbst ein Bild von der Katastrophe machte. Verletzte gab es ersten Berichten zufolge nicht.

Bürger in Tränen

Nach ersten Aussagen von Feuerwehrleuten könnten Bauarbeiten, die am Dach des Gebäudes vorgenommen wurden, Ursache des Großbrandes sein. Der Flammenherd lag rund um ein Gerüst, das am Dach angebracht war. 16 Kupferstatuen waren erst wenige Tage vor dem Feuer abmontiert worden, um sie vor den Bauarbeiten in Sicherheit zu bringen. „Das ist ein Symbol Frankreichs, das in Flammen aufgeht“, sagte der im Denkmalschutz engagierte Fernsehstar Stéphane Bern.

Rund um das Wahrzeichen versammelten sich tausende entsetzte Pariser und Touristen, die zum Teil in Tränen ausbrachen. Sie mussten aus der Ferne mitverfolgen, wie das Dach wie in einem Horrorfilm zusammenbrach und auch die bunten Glasfenster in Flammen aufgingen. Über der ganzen Innenstadt lagen eine graugelbe Rauchglocke und ein Brandgeruch. Die Seineinsel Ile de la Cité, auf der die Kathedrale liegt, wurde teilweise evakuiert.

Das Feuer war gegen 18.50 Uhr ausgebrochen und hatte sich schnell auf dem Holzdach ausgebreitet, das zum Teil aus dem 13. Jahrhundert stammt. Die Feuerwehr war zwar rund zehn Minuten später zur Stelle. Doch die Wasserwerfer hatten Schwierigkeiten, die Flammen zu erreichen, die das 93 Meter hohe Gebäude von innen her zerfraßen. Auch zwei Stunden nach dem Beginn der Katastrophe schlugen weiter Flammen aus dem Kirchenhaus, obwohl rund 400 Feuerwehrleute im Einsatz waren. Eine „Sondermission“ versuchte, die in der Kathedrale enthaltenen Kunstwerke zu retten. „Wenn man die Bilder sieht, fragt man sich, was von Notre-Dame übrig bleiben wird“, sagte die frühere Ministerin Christine Boutin.

Aus dem Ausland kamen schnell Solidaritätsbekundungen. „Es tut so weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden Notre-Dame zu sehen. Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer Kultur“, twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. US-Präsident Donald Trump schlug per Twitter vor, Wasserflugzeuge einzusetzen. „Man muss schnell handeln.“ Die Staatsanwalt von Paris nahm bereits Vorermittlungen auf, um zu klären, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Die UN-Kulturorganisation UNESCO zeigte sich solidarisch mit Frankreich und erklärte sich bereit, beim Wiederaufbau zu helfen. Mehrere Experten zitierten das Beispiel der Kathedrale von Reims, deren Dachstuhl im Ersten Weltkrieg ebenfalls völlig zerstört worden war. Der Wiederaufbau dauerte rund 20 Jahre. Notre-Dame wird jedes Jahr von rund 13 Millionen Menschen besucht. In der Karwoche, die am Sonntag begann, suchen besonders viele katholische Gläubige die bekannteste Kirche Frankreichs auf. Der französische Schriftsteller Victor Hugo hatte in seinem Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ ein Denkmal gesetzt.

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