Fellinis Drehbuchautor Tullio Pinelli gestorben

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Deutsche Presse-Agentur

Es war die Blütezeit des italienischen Film, und vor allem Federico Fellini setzte die Maßstäbe. Mal neorealistisch, dann eher surrealistisch legte der Mann aus Rimini seine Meisterwerke in den 1950er Jahren an.

Von dem Oscar-gekrönten Melodram „La Strada - Das Lied der Straße“ über das skandalträchtige „La Dolce Vita“ rund um das süße Leben in Rom bis hin zu dem radikalen Werk „Achteinhalb“. Bei Roberto Rossellini verdiente er sich die ersten Lorbeeren. Und als Fellini dann auf eigenen Regie-Füßen stand, hatte er in all den Jahren einen kongenialen Partner: Drehbuchautor Tullio Pinelli. Der Mann, der eher dezent im Hintergrund stand, als Italiens Kino in der Welt Furore machte, starb am Samstag im Alter von 100 Jahren in Rom.

So grundverschieden wie Katz und Maus sollen sie gewesen sein, und doch haben sie als eine Art Tandem Grandioses geschaffen. Der Turiner Pinelli, ein intellektueller Geist und ruhiger Zeitgenosse, liebte das Landleben, Fixpunkte im Alltag und seine Familie. Dass er das prall-turbulente Nachtleben der Nachkriegszeit nicht mochte, lieber mit seiner Frau, der französischen Schauspielerin Madeleine Lebeau Zeit verbrachte, all das konnte der große Fellini nicht verstehen. Es gab Streit und Ärger, dafür waren sie zu gegensätzlich. Pinelli blieb aber lange einer der wichtigsten Mitarbeiter des Meister-Regisseurs.

Wuchernde Bildfantasien, eindringliche Milieu-Schilderungen, unvergessliche Regieeinfälle, all das machte Fellini zu einem der modernen Klassiker des Films. In der poetischen Tragödie „La Strada“ um den Schausteller Zampano, einen Seiltänzer und ein etwas einfach gewirktes Mädchen scheinen Fellinis Liebe zum Zirkus durch und seine gefühlte Einsamkeit. Der seit langem gängige Begriff des Paparazzo geht auf einen Skandalfotografen in „Das süße Leben“ zurück, in dem Marcello Mastroianni den Klatschreporter Rubini in der römischen High Society spielt. Weltweit bekannt ist die Szene, in der Filmdiva Anita Ekberg ihr legendäres Bad im Trevi-Brunnen nimmt. Auch wenn das „süße Leben“ in Rom lange her ist und die Via Veneto heute auch nicht mehr dazu einlädt - Fellinis feine Gesellschaftssatire bleibt unvergessen.

„Die Spiritualität Pinellis war sofort eins geworden mit den überbordenden Visionen des Meisters“, so beschreibt der römische „Messaggero“ ihre Zusammenarbeit, Pinelli habe als „Fellinis Feder“ den Meisterwerken einen intimen Farbton gegeben. Pinelli arbeitete an Sujets und Vorlagen, schrieb an den Drehbüchern. Und in einem ebenso seltenen wie perfekten Einklang setzte der Maestro das in Filmbilder um. Herausragende Schauspieler wie Anthony Quinn (in „La Strada“), Marcello Mastroianni und Claudia Cardinale trugen das ihre dazu bei, Fellinis Filme und damit Italiens Kino zum Weltereignis zu machen.

„Pinelli hat seinen Platz in der Geschichte des Films“, würdigte der Regisseur und Präsident der Fellini-Stiftung Pupi Avati das wichtige „zweite Rad“ dieses Tandems. Der norditalienische Autor arbeitete auch mit zahlreichen anderen Regisseuren zusammen, darunter Pietro Germi und Mario Monicelli. Pinelli wird an diesem Montag in Rom beigesetzt. Federico Fellini starb bereits am 31. Oktober 1993.

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