Felix Mendelssohn Bartholdys 200. Geburtstag

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Deutsche Presse-Agentur

So mancher große Künstler der Vergangenheit wurde bekanntlich erst nach seinem Tod berühmt. Ausgerechnet dem „Mozart des 19. Jahrhunderts“, wie ihn Komponistenkollege Robert Schumann überschwänglich nannte, erging es völlig anders.

Der Ruhm des am 3. Februar 1809 geborenen Felix Mendelssohn Bartholdy verblasste nach seinem frühen Tod im Jahr 1847 schnell. Doch heute ist er in Deutschland sozusagen angekommen, bislang unveröffentlichte und unbeachtete Werke des von den Nazis verbotenen Komponisten werden uraufgeführt, darunter die Oper „Der Onkel aus Boston“ - mehr als 180 Jahre nach der Vollendung. Und man feiert den 200. Geburtstag Mendelssohn Bartholdys - wenn auch kaum in dem Maße wie den 250. Geburtstag Mozarts 2006.

Mendelssohn Bartholdy galt als Wunderkind, fand aber dennoch in Deutschland nicht die verdiente Anerkennung. Wie war das möglich? Lag es daran, dass er nicht das kämpferische und leidende Genie herauskehrte wie Wagner? Doch die Missachtung des Musikers, die 1850 mit Richard Wagners Schrift über „Das Judentum in der Musik“ ihren Anfang nahm und 1936 in der Zerstörung des Mendelssohn-Bronzedenkmals in Leipzig durch die Nazis ihren Höhepunkt fand, hatte vor allem mit Antisemitismus zu tun.

Nach dem Versuch der Nazis, sein Andenken auszulöschen, blieb lange das Vorurteil erhalten, der Romantiker Mendelssohn sei ein zwar virtuoser, aber leichtgewichtiger Komponist. Ein Missverständnis - und eine Unterstellung: Mendelssohn sah sich in der Frage der musikalischen Form in der Nachfolge von Haydn, Mozart und Beethoven. Er erfand gewissermaßen den musikalischen Historismus, setzte in seinen Kompositionen auf formale Rückgriffe, auf die alte Musik. Ein Avantgardist war Mendelssohn nicht, die damals verstörend wirkende Musik des Franzosen Hector Berlioz fand er bezeichnenderweise abstoßend. Dafür setzte er sich für Johann Sebastian Bach ein und bewirkte im Alter von 20 Jahren eine Großtat - die erste Aufführung von Bachs völlig vergessener Matthäuspassion seit dem Tod des Komponisten.

Der Enkel des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn wurde in Hamburg geboren. Er war aus großbürgerlichem Hause, seine Mutter Lea entstammte einer begüterten Familie, sein Vater Abraham war ein reicher Bankier. Die Kinder der Mendelssohns, darunter die musikalisch begabte Fanny, deren frühen Tod Felix nicht verwinden konnte, wurden christlich erzogen und protestantisch getauft. 1811 siedelte die Familie nach Berlin um und änderte später den Namen in Mendelssohn Bartholdy.

Das Wunderkind Felix erregte erstmals im Alter von neun Jahren Aufsehen - als Pianist. Mit 17 komponierte er die Ouvertüre zu Shakespeares „Sommernachtstraum“. Zahlreiche Reisen führten ihn nach Italien, Frankreich und immer wieder England. 1835 kam er, nach zweijähriger Tätigkeit als städtischer Musikdirektor in Düsseldorf, nach Leipzig. Zwei Jahre später heiratete er die schöne Cécile, mit der er fünf Kinder hatte. Und in den zwölf Jahren, die er mit kurzer Unterbrechung bis zu seinem Schlaganfall und Tod 1847 in Leipzig verbrachte, an der Spitze des Gewandhausorchesters und als Gründer des ersten deutschen Konservatoriums, verschaffte sich der Komponist der Oratorien „Paulus“ und „Elias“ eine beispiellose Stellung im deutschen Musikleben.

„Welch kurzes, aber sinnvolles Leben für Verständigung und Harmonie unter den Menschen“, schrieb der Dirigent Kurt Masur, als Leipziger Gewandhauskapellmeister zwischen 1970 und 1996 einer der Nachfolger Mendelssohn Bartholdys. Masur kämpfte für das Werk seines frühen Vorgängers, er führte beispielsweise Mendelssohns Kantate „Die erste Walpurgisnacht“ erstmals in New York auf. Mit dem Gewandhausorchester habe er keine Reise ohne Mendelssohn gemacht, sagte er einmal.

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