Fantastic Negrito: Polit-Blues fürs Hier und Jetzt

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Fantastic Negrito
Fantastico Negrito sorgt sich um das Leben und die Zukunft seiner Kinder. (Foto: Lyle Owerko / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Werner Herpell

Seltsames Albumcover: Da liegt Xavier Dphrepaulezz alias Fantastic Negrito schwer verletzt in einem Krankenhausbett. Und dann heißt seine neue Platte auch noch „Please Don't Be Dead“. Doch damit hat es eine Bewandnis.

Ein schwerer Autounfall hatte den afro-amerikanischen Gitarristen und Sänger mit Kleinkriminellen-Vergangenheit vor fast 20 Jahren in einem dreiwöchigen Koma zurückgelassen und dauerhafte Schäden an seiner Spielhand verursacht. Auf dieses persönliche Drama verweisen nun Cover und Titel seines neuen Albums, des dritten unter dem Namen Fantastic Negrito.

Der vor 50 Jahren in Massachusetts geborene Dphrepaulezz ist ein moderner Blues-Mann, der sich einerseits auf Pioniere wie Lead Belly, Robert Johnson und Skip James bezieht. Aber zu seiner stilistischen DNA gehören eben auch weiße Blues-Erneuerer wie Jack White (im Opener „Plastic Hamburgers“) und The Black Keys oder aber Soul-Größen wie Otis Redding (in der grandiosen Ballade „Dark Windows“, dem Album-Highlight) und Prince (im abschließenden „Bullshit Anthem“).

Schon auf seinem vorherigen Album, dem später Grammy-verzierten „The Last Days Of Oakland“ (2016), hatte Fantastic Negrito eine sehr offene Spielart des Blues zelebriert. Funk und Soul, Gospel, Folk und Rock fanden dort ganz selbstverständlich ihren Platz.

Der nun über Cooking Vinyl/Sony veröffentlichte Nachfolger „Please Don't Be Dead“ lebt wieder von Dphrepaulezz' toller Stimme, seinem wuchtigen Gitarrenspiel und einer großen stilistischen Bandbreite. Und natürlich ist diese Platte - in heutigen Zeiten für einen afro-amerikanischen US-Musiker fast selbstverständlich - auch ein politisches Statement.

„Ich habe dieses Album geschrieben, weil ich um das Leben meines schwarzen Sohnes Angst habe“, sagt Fantastic Negrito. „Ich sorge mich um die Leben meiner Töchter. Ich bin so verunsichert, welche Zukunft sie vor sich haben. Wird jemand sie in der Schule erschießen? Werden sie tablettensüchtig sein? Oder als Obdachlose auf der Straße leben? Wird die Polizei meinen Sohn ermorden?“

Diese Fragen ziehen sich durch die elf teilweise urwüchsig rauen, gleichwohl hervorragend produzierten Tracks. Fantastic Negrito hat damit ein musikalisch sehr gelungenes, inhaltlich leider nur allzu relevantes Album abgeliefert.

Tournee-Termine: 03.08. Luhmuhlen - A Summer's Tale; 04.08. Bad Windsheim - Weinturm Openair; 07.08. Berlin - Privatclub

Website Fantastic Negrito

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