Verändert das weltweite Gewicht von Herbstlaub die Geschwindigkeit der Erdrotation?

Laubhaufen sind nicht nur Abfall – heruntergefallenes Laub bietet Igeln und anderen kleinen Säugetieren sowie Insekten, Reptilie
Ein einziger Laubbaum verliert im Herbst bis zu einer halben Million Blätter. (Foto: dpa)
Digital-Redakteurin

In den gemäßigten Breiten auf der Nordhalbkugel ist der Herbst ein prächtiges Farbenspiel. Um sich vor Verdunstung im Winter zu schützen, werfen die Laubbäume ihre Blätter ab. Wichtige Nährstoffe und das grüne - für die Photosynthese wichtige - Chlorophyll wird aus den Blättern abgebaut, die sich dadurch verfärben. 

Da kommt jedes Jahr ganz schön was zusammen: Eine einzige hundertjährige Buche verliert im Herbst etwa eine halbe Million Blätter. Pro Hektar Mischwald kommen im Durchschnitt etwa fünf Tonnen Laub zusammen. So viel wiegt ein Elefantenbulle - oder auch zwei schwere SUV.

Während sich das gefallene Laub im Wald auf natürliche Weise zersetzt und dabei Lebewesen als Winterquartier, Kälteschutz und Nahrung dient, müssen die Blätter in Siedlungsgebieten eingesammelt und entsorgt werden. Allein in den deutschen Kommunen sind das geschätzt rund 800.000 Tonnen Laub.

Ein Körper rotiert schneller, wenn sich das Gewicht näher zur Drehachse bewegt

Ist es angesichts dieser Massen vorstellbar, dass sich der Laubfall im Herbst sogar in der Erdrotation bemerkbar macht? Schließlich verlagert sich dieses Gewicht dann näher zum Erdboden. Die Antwort lautet: Ja, aber...

Hier die Erklärung:

Nach dem Satz der Drehimpulserhaltung bewirkt eine Verkleinerung des Trägheitsmoments bei konstantem Drehimpuls eine Vergrößerung der Winkelgeschwindigkeit.

Spürbar ist das beispielsweise, wenn man sich mit Hanteln in der Hand auf einen drehbaren Schreibtischstuhl setzt: Dreht man sich zuerst mit ausgestreckten Armen und zieht dann die Arme näher zum Körper, dreht sich der Körper schneller um die eigene Achse. Der gleiche Effekt lässt sich beobachten, wenn eine Eiskunstläuferin Pirouetten dreht. 

Während des Herbstes auf der Nordhalbkugel ist zwar gleichzeitig Frühling auf der Südhalbkugel. Allerdings sind die Landmassen im Norden deutlich größer als im Süden und damit auch die Zahl der Bäume. In der Theorie müsste der Effekt also beim Laubfall zum Tragen kommen.

Effekt ist im Bereich von Nanosekunden

Tatsächlich versuchen Wissenschaftler immer mal wieder, diesen Effekt zu berechnen. Doch demnach ändert sich die Tageslänge durch das gefallene Laub höchstens um wenige Nanosekunden. Ein US-Mathematiker berechnete einen Effekt von 0,1 Nanosekunden. Eine Nanosekunde entspricht dem Milliardstel einer Sekunde. 

Allerdings wirken viele Kräfte auf die Erdrotation ein, zum Beispiel die Anziehungskraft des Mondes, Meeresströmungen oder Luftzirkulationen. Der Effekt des Laubfalls ist also nicht nur extrem klein und damit kaum messbar, sondern wird auch von größeren Einflüssen überlagert.  

Übrigens: Tatsächlich verlangsamt sich die Erdrotation. Noch vor 70 Millionen Jahren, im Zeitalter der Dinosaurier, war ein Tag eine halbe Stunde kürzer als heute. 

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