F.K. Waechter im Wilhelm-Busch-Museum

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Deutsche Presse-Agentur

Er ist ein Meister der absurden Komik und des hintersinnigen Humors: Friedrich Karl Waechter (1937-2005) zeichnete Flusspferde im Einmachglas, einen Löwe als hungrigen Beamten am Schreibtisch vor bibbernden Schweinchen oder Dutzende Frauen als Zootiere im „Frauenfreigehege Dingolfing“.

Der Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule gilt als einer der wichtigsten deutschen Satirekünstler der Nachkriegszeit. Das Wilhelm-Busch-Museum Hannover zeigt von diesem Sonntag an rund 350 Arbeiten aus dem Nachlass des vielfach begabten Zeichners, Dichters, Kinderbuchautors, Stückeschreibers und Regisseurs.

Das Deutsche Museum für Karikatur und kritische Grafik in Hannover ist seit November Besitzer von Waechters knapp 4000 Werke umfassenden Nachlasses. Sehr zum Leidwesen der Stadt Frankfurt hatte die Familie entschieden, dass der Nachlass besser in Hannover aufgehoben sei. Hier gebe es den idealen Rahmen für die „Vielfalt des Werkes“, also auch für die poetisch-literarischen Bilderbücher ihres Mannes, betonte Cornelia Vollhard-Waechter bei der Vorbesichtigung der Schau, die bis zum 10. Mai zu sehen ist.

Die Ausstellung bietet einen Überblick von den frühen Arbeiten für die Satirezeitschrift „pardon“ bis zu der noch unveröffentlichten düsteren Bildergeschichte „Der Höllenhund“, der kurz vor Waechters Tod entstand. „Beziehung und Liebe, Leben und Tod - das waren seine großen Themen“, sagt die Ehefrau. Waechter widmet sich oft universellen Menschheitsfragen, seltener nimmt er die aktuelle politische Situation aufs Korn. Sein Humor ist mal derbe, mal bitterböse, häufig auch subtil, leise und poetisch.

Bekannt wurde der Künstler mit der langen Lockenmähne 1970 mit seinem „Anti-Struwwelpeter“ einem Gegenstück zu Heinrich Hoffmanns angsteinflößendem Erziehungsbuch aus dem 19. Jahrhundert. In der Antifassung wird beim Suppenkaspar, der sein Essen verweigert, der jähzornige Vater unter der Tischdecke samt Suppe begraben. Der Mitbegründer der Satirezeitschrift „Titanic“ fühlt sich hinein in die Gedankenwelt der Kinder, die den zeternden oder schmeichelnden Erwachsenen mit Schrecken beziehungsweise mit Staunen begegnen.

Die Kuratorin der Schau, Gisela Vetter-Liebenow, sieht Waechter in einer Reihe mit großen Ahnherren wie Saul Steinberg und Wilhelm Busch. „Er ist unglaublich reich an verschiedenen Zeichentechniken“, erklärt Vetter-Liebenow, die viele Parallelen zu Wilhelm Busch entdeckt hat. „Beide begriffen das Papier als eine Theaterbühne. Und beide interessierten sich für Märchen und transformierten sie in ihre Zeit und ihre Gedankenwelt.“

Eindeutige politische Botschaften oder gar Agitation liegen F.K. Waechter fern, wird in der Ausstellung deutlich. Seine oft absurden Bilder sind rätselhaft und mehrdeutig - gerade deshalb prägen sich die traumhaften Szenen dem Betrachter ein: Etwa wenn Anzugträger mit großen Hämmern eine Straße aus Kindern bauen und mit einer Walze über die Köpfe fahren. Waechter schrieb 1979 dazu: „Das Jahr des Kindes ist vorbei. Wir bauen weiter an der Zukunft.“ (Internet: www.wilhelm-busch-museum.de)

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