Experte mahnt zur Skepsis bei Online-Informationen

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Deutsche Presse-Agentur

Nach der offensichtlich gefälschten Ankündigung des Amoklaufs in Baden-Württemberg hat der Medienwissenschaftler Jo Groebel zu gesunder Skepsis bei Informationen aus dem Internet aufgerufen.

„Ob Twitter, Blogs oder Chatbotschaften: Die Authentizität ist vermeintlich größer, doch um den Preis der Aufhebung der Distanz zwischen dem Kommunizierenden und dem Kommunizierten“, schrieb der Direktor des Berliner Digital-Instituts in einem Gastbeitrag für „Handelsblatt.com“. Er kritisierte angesichts der Berichterstattung über den Amoklauf den seiner Ansicht nach manchmal unreflektierten Umgang mit dem Microblogging-Dienst „Twitter“, wo ständig in SMS-Form die neuesten Entwicklungen zu Winnenden kommuniziert wurden.

Man bewege sich bei der Wahrheitssuche im Netz auf schwankendem Boden, bemerkte Groebel. Oft verfolgten die Absender von Botschaften im Netz ein Eigeninteresse: Gefühle, Meinungen und schlimmstenfalls finstere Absichten rückten in den Vordergrund. Eine Zensur von Äußerungen finde nicht statt, das sei der Charme, aber eben auch die Gefahr der schnellen Web-Botschaft, meinte der Wissenschaftler. So gebe es eine Fülle von Betroffenheitsbekundungen, Wichtigtuereien, Fälschungen und auch Fakten, deren Prüfung kurzfristig und auf die Schnelle nicht immer zu bewältigen sei.

„Genau dies aber ist die Aufgabe, heute vor allem der Ermittlungsbehörden, immer aber von Journalisten und dem sozialen Netzwerk selbst“, schrieb Groebel. Durch den Zwang zur Schnelligkeit leide besonders die Sorgfalt: „Wer schnell ist, kriegt die Aufmerksamkeit, wer die Wahrheit will, braucht Zeit.“

In Studien des Digital-Instituts wurde zudem festgestellt, dass die jüngere Generation das soziale Netzwerk im Netz oft für glaubwürdiger halte als die traditionellen Medien. „Authentischer mag das Web sein“, schrieb Groebel. „Glaubwürdiger ist es nicht. Erst recht nicht bei spektakulären Ereignissen.“

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