Essen und Trinken, Leben und Tod in Pompeji

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Ausstellung «Last Supper in Pompeii»
Ein Fresko von der schönen Europa mit dem in einen Stier verwandelten Jupiter aus dem Haus des Jason - Herzstück der Ausstellung „Last Supper in Pompeii“. (Foto: Pompeji Museum Neapel / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Anna Tomforde

Während die alten Römer ihre gemästeten Siebenschläfer mit viel Wein herunterspülten, lehnten sie sich zur besseren Verdauung auf die linke Körperseite auf die Couch zurück. So dürfte es auch beim letzten Abendessen in den Villen von Pompeji vor Ausbruch des Vesuvs 79 n.Chr. gewesen sein, wie eine neue Ausstellung im Ashmolean Museum in Oxford zeigt.

„Nie auf die rechte Seite, das behindert die Verdauung“, erläutert der Chefkurator für die Antike, Paul Roberts, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Seine neue Ausstellung „Last Supper in Pompeii“ (Letzte Mahlzeit in Pompeji) beleuchtet die „Liebesaffäre“ der Einwohner der antiken Stätte mit Essen und Trinken und deren Bedeutung „in Leben und Tod.“

In einer großen Anstrengung ist es dem der Universität Oxford angeschlossenen Museum gelungen, in enger Zusammenarbeit mit den Forschungsstätten und Museen in Pompeji und Neapel rund 400 faszinierende Exponate zu präsentieren, von denen etwa 300 aus Italien stammen. Rund 220 von ihnen sind erstmals außerhalb Italiens zu sehen, wie es im Ashmolean heißt.

Besonders stolz ist Roberts auf ein Fresko von der schönen Europa mit dem in einen Stier verwandelten Jupiter aus dem Haus des Jason, das aus dem Pompeji Museum in Neapel entliehen wurde. „Es ist das Herzstück der Ausstellung. Denn in dieser Zeit geht es darum, kulturelle Brücken zu bauen, die nicht zerstört werden können“, sagt er mit Blick auf den Brexit.

Die Ausstellung lädt die Besucher zu einem Rundgang durch die Räume einer römischen Villa ein - vom Atrium über den Eßsalon (Triclinium) bis in die Küche. Atemberaubende Mosaike und Wandmalereien, Gemälde und Marmorstatuen begleiten den Weg.

Das Mosaik „Sea Life“ (Meeresleben), auf dem die Fischschuppen mit bloßem Auge in Minimalformat zu erkennen sind, eine Wandmalerei von Bacchus als Weintraubenbündel, eine Mosaikflasche mit der Fischsoße Garum, die wie eine heutige Ketchup-Flasche den Namen des Produzenten trägt, Geräte zum Weinanbau und mit Lebensmitteln verzierte Graburnen laden zur Betrachtung ein.

In der Küche, die zugleich Latrinenort war, sind von Vulkanglut verkohlte Granatäpfel, Linsen, Feigen und Oliven zu sehen. Aus den Abflussrohren der „schmutzigen“ Küchen werden der Kiefer eines Siebenschläfers sowie Apfelkerne und Kirschsteine präsentiert. Ein verkohltes, achtseitiges Brot scheint im Vergleich mit dem begleitenden Fresko einer damaligen Bäckerei in bestem Zustand.

Dem Ashmolean ging es laut Roberts darum, eine Geschichte zu erzählen, die das Ausmaß der menschlichen Tragödie des Leidens erahnen lässt. „Pompeji ist nicht Disneyland“, sagt Roberts.

Diese Botschaft wird am Ende der Ausstellung dramatisch durch die transparente Harzfigur der „Dame von Oplontis“ vermittelt, die Roberts als die „einzige wahre Zeugin der schrecklichen Ereignisse“ beschreibt. Auf der Flucht vor der tödlichen Asche raffte sie Habseligkeiten wie Schmuck, einen Schlüssel und Geldbeutel zusammen, wie zu erkennen ist.

„Die zwei Welten von Tisch und Grab waren nie weit voneinander entfernt“, heißt es in der Ausstellung. „Der Tod war allgegenwärtig.“ Aberglaube, Vorahnung, Opfergaben für die Götter und Grabbeigaben für das Nachleben zeugen davon.

Das Bodenmosaik eines grinsenden Skeletts, das in jeder Hand einen Weinkrug hält, beweist: Essen und Trinken waren die Essenz des Lebens - die Erinnerung an den Tod sollte die Freuden des Lebens steigern. Seine Botschaft: Carpe Diem - Genieße den Tag.

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