„Erster“ Mondglobus der Welt fertig

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Deutsche Presse-Agentur

Mit rund 250 Jahren Verspätung ist der „erste“ Mondglobus der Welt erschienen. Erdacht worden ist er Mitte des 18. Jahrhunderts vom schwäbischen Astronom Tobias Mayer (1723-1762) - vollendet wurde seine Arbeit jetzt vom Tobias Mayer Verein in seiner Geburtsstadt Marbach am Neckar.

Grundlage für die Mondkugel mit einem Durchmesser von 41 Zentimetern waren nach Angaben des Vereins vom Dienstag Kupferplatten einer Handzeichnungen, die Mayer 1750 für seinen Globus angefertigt hatte. Fehlende Teile seien aus Mayers Mondkarten abgeleitet worden, die Ende des 18. Jahrhunderts lange Zeit als unübertroffen exakt galten. Die Württembergische Landesbibliothek zeigt den Mondglobus und einige Original-Exponate zum Werk des Wissenschaftlers bis Ende Februar in Stuttgart.

„Der Globus hat natürlich nur eine Vorderseite“, erklärte Prof. Armin Hüttermann vom Mayer Verein. Schließlich habe erst der russische Astronaut Juri Gagarin 1961 als erster Mensch die Rückseite des Mondes zu Gesicht bekommen. Mayer hatte 200 Jahre vorher nur ein - aus heutiger Sicht - recht einfaches Fernrohr zur Verfügung. Stück für Stück zeichnete er den Mond und seine unzähligen Krater ab. Insbesondere dann, wenn nicht gerade Vollmond war. „Bei Vollmond wird das Mondgelände von vorne beleuchtet und es fehlt die plastische Wirkung“, erläuterte Hüttermann.

Mayer gilt bis heute als Begründer der modernen Mondkartographie. „Eher kunstvoll als exakt“ seien die Mondkarten, die Mayer Mitte des 18. Jahrhunderts vorgefunden hatte, berichtete Hüttermann. Auch der italienische Astronom Galileo Galilei (1564-1642) hatte zuvor Karten des Mondes entworfen. Tobias Mayer erlebte die Veröffentlichung seiner eigenen Mondkarten nicht, er starb mit 39 Jahren 1762 als Professor in Göttingen. Da der Mond etwas „eiert“ und sich nicht immer exakt von der gleiche Seite zeigt, umfassen Mayers Karten sogar etwas mehr als die Hälfte der Mondfläche. Von seinem geplanten Globus blieben sechs Kupferplatten und acht Handzeichnungen erhalten. Wie er die Mond-Rückseite gestalten wollte, ist nicht bekannt.

www.tobias-mayer-verein.de

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