Ermittler suchen nach Ursache für Siegburger Großbrand

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Nach dem Großbrand an der Siegburger ICE-Strecke mit zahlreichen Verletzten suchen Ermittler der Polizei nach der Ursache für das verheerende Feuer.

„Die Ermittlungen zur Brandursache sind aufgenommen. Die Ermittler sind vor Ort und nehmen sämtliche Brandorte in Augenschein“, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei am Mittwoch. Unkompliziert ist das nicht. Die Polizei muss zum Beispiel auch auf die mögliche Einsturzgefahr in den Ruinen achten.

Bei dem Brand am Dienstag waren nach Angaben der Stadt 32 Menschen verletzt und mehrere Gebäude in Nähe der Bahnstrecke zerstört worden. Ein Böschungsbrand hatte auf die Häuser übergegriffen. Die wichtige ICE-Strecke musste in dem Bereich gesperrt werden. Immerhin in diesem Punkt gab es am Mittwoch gute Nachrichten: Schnellzüge konnten die Strecke wieder befahren. Für den Nahverkehr konnte die Strecke allerdings zunächst noch nicht freigegeben werden.

Nach Angaben der Stadt konnten nach dem Brand 15 Menschen nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren, sie leben nun zunächst bei Freunden und Verwandten. Die Deutsche Bahn kündigte an, sich mit einer halben Million Euro an einem Hilfsfonds für die Betroffenen zu beteiligen. „Ich weiß gar nicht, was man den Leuten sagen soll, die hier gewohnt haben“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Brandort. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte den Verletzten schnelle Genesung. Den Einsatzkräften danke die Kanzlerin für ihre Arbeit, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer.

Es hatte große Anstrengungen gefordert, bis die rund 550 Einsatzkräfte den Brand unter Kontrolle gebracht hatten. Von einer „Feuerwand“ war die Rede. „Der gestrige Tag war ein schwarzer Tag in der Geschichte der Stadt Siegburg“, schrieb der Chef der Siegburger Feuerwehr am Mittwoch auf Facebook.

Wie das Feuer ausbrechen konnte, ist weiterhin unklar. Durch die wochenlange Dürre hatte es sich rasend schnell ausbreiten können. „Dann flogen die Funken auf die Schienenseite zum Brückberg, erklommen auf breiter Front den Wall, griffen auf die Häuserzeile über“, teilte die Stadt mit. „Aufgrund der Trockenheit ging es rasend schnell, der Wind verschlimmerte die Sache.“

Die Stadt hatte schon bald nach Ausbruch des Feuers mitgeteilt, vermutlich habe ein vorbeifahrender Zug Funken geschlagen und so die Flammen entfacht. Später relativierte die Stadt diese Aussage und betonte, es seien auch andere Brandursachen möglich.

Die Bahn warnte vor voreiligen Schlüssen. „Der Auslöser des Brandes ist völlig offen, Spekulationen sind verfrüht“, sagte ein Bahnsprecher. „Es kann auch eine Zigarette gewesen sein, es kann Brandstiftung gewesen sein“, sagte NRW-Innenminister Reul. Das seien aber alles Spekulationen, an denen er sich nicht beteiligen wolle.

Der Funkenflug eines Zuges als Auslöser für einen Böschungsbrand an einer Bahntrasse ist nach Einschätzung des Experten Christian Schindler allerdings sehr unwahrscheinlich. „Dass ein Funkenflug jemals zu einem Böschungsbrand geführt hat, ist mir nicht bekannt“, sagte der Leiter des Instituts für Schienenfahrzeuge und Transportsysteme an der RWTH Aachen. Zu einem Funkenflug könne es etwa kommen, wenn ein Zug sehr scharf bremsen müsse - also in einer Notsituation - oder in einer äußerst engen Kurve. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke verlaufe aber in der Regel gradlinig.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen