Erlangen feiert die Markgräfin

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Schwäbische Zeitung

Erlangen (dpa) Mit der Premiere von „Der Wilhelmine-Code“ hat die Stadt Erlangen den Veranstaltungsreigen zum 300. Geburtstag der Markgräfin Wilhelmine (1709-1758) eingeläutet.

Komponist Michael Emanuel Bauer und Librettist Constantin von Castenstein wollen in dem zugleich unterhaltsamen und anspruchsvollen Musiktheater-Stück die Frage ergründen, wer Markgräfin Wilhelmine jenseits historischer Fakten wirklich war und wie man dieser Frau, die den zeitgenössischen Erwartungen so gar nicht entsprach, aus heutiger Sicht gerecht werden kann.

Markgräfin Wilhelmine, Schwester von Friedrich dem Großen, ist zwar in erster Linie Bayreuth verbunden, wohin sie ihr Vater, der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I., 1731 verheiratet hatte. Mit dem Markgräflichen Opernhaus, dem Neuen Schloss und der Eremitage hat sie das Stadtbild Bayreuths entscheidend geprägt. Doch auch Erlangen hat Bezüge zu Wilhelmine: Zwischen 1740 und 1743 ließ sie den Zuschauerraum des Markgrafentheaters umgestalten; der 1742 gegründeten Universität gab sie wichtige Impulse und vermachte ihr ihre private Bibliothek.

„Der Wilhelmine-Code“, angesiedelt im Grenzbereich zwischen Oper, Singspiel und Sprechtheater, ist für eine Sängerin, drei Schauspieler und ein kleines, vierköpfiges Musikensemble konzipiert. Jeder der Akteure übernimmt mehrere Rollen. Wilhelmines Jugend wird von Regisseurin Lilli-Hannah Hoepner in die heutige Zeit verlegt: In einer kleinbürgerlichen Wohnung versuchen sich die beiden Geschwister „Billie“ (Wilhelmine) und „Rico“ (Friedrich) gegen den autoritären Vater und die egozentrische Mutter zu behaupten.

Szenenwechsel dann im zweiten Akt: Am Hof der Markgräfin werden in schneller Abfolge von Dialogen und Spielszenen die Stationen von Wilhelmines Leben aufgefächert. Die Markgräfin selbst wird abwechselnd verkörpert von Schauspielerin Georgia Stahl und Sängerin Cornelia Melián, die als Chronistin aus Wilhelmines Memoiren zitiert; die beiden Schauspieler Mario Gremlich und Nicholas Reinke stellen Voltaire ebenso dar wie den Leibarzt Doktor Superville, den markgräflichen Minister Ellrodt und Wilhelmines untreuen Ehemann Friedrich von Bayreuth.

Der 1974 geborene Komponist Michael Emanuel Bauer arbeitet in seinem Stück mit Zitaten und Collagen, die nach seinen eigenen Worten auf die Musikgeschichte ebenso wie auf den experimentellen Film verweisen. Auch Wilhelmines eigene Kompositionen, ihr Cembalokonzert in g-Moll und ihre Oper „Argenore“, werden zitiert. „Der Wilhelmine- Code“ will das Bild der Markgräfin als historische Person, als kunstsinnige Mäzenatin ebenso wie als frühe Feministin zur Disposition stellen - dies gelingt in der amüsanten Aufführung mit spielerischer Leichtigkeit.

Die weiteren Aufführungen im Markgrafentheater sind am 2., 7., 19. und 20. Februar. Im Laufe des Jahres wird in Erlangen mit zahlreichen weiteren Veranstaltungen an Wilhelmine erinnert. Auf dem Programm stehen unter anderem ein „Wilhelminen-Bürgerfest“, Führungen durch die Privatbibliothek Wilhelmines, Lesungen, Vorträge und die Ausstellung „Erlangen im Barock“.

www.theater-erlangen.de

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