Ericsson: Wirtschaftsflaute hält LTI nicht auf

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Deutsche Presse-Agentur

Die Einführung des noch schnelleren UMTS-Nachfolgestandards Long Term Evolution (LTE) wird nach Ansicht des Ericsson-Vertriebschefs Torbjörn Possne von der aktuellen Wirtschaftskrise nicht aufgehalten.

„LTE wird 2010 sicher an den Start gehen“, sagte Possne am Mittwoch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Im Januar hatte der weltgrößte Mobilfunk-Ausrüster Ericsson bereits den Aufbau eines LTE-Netzes in Stockholm für Mitte 2010 angekündigt. Auch in Japan gebe es bereits Verträge, sagte Possne. Am Mittwoch nannte zudem der größte US-Mobilfunkanbieter Verizon Wireless Ericsson als einen Partner für den Aufbau des neuen Datennetzes.

Mit der neuen Technik versprechen die Entwickler Download-Geschwindigkeiten von mehr als 100 Megabit pro Sekunde in mobilen Breitbandnetzen. Das ist mehr als in heutigen schnellen DSL-Leitungen.

Fast zehn Jahre nach dem Startschuss für UMTS sei es an der Zeit für eine neue Technologie, sagte Possne. „Meiner Meinung nach wird ein LTE-Netz zunächst in den USA oder Westeuropa aufgebaut, wo sich die Mobilfunkbetreiber den Aufbau leisten können.“ Über einen zeitlichen Rahmen oder Kosten für den Ausbau wollte Possne nichts sagen. Zumindest auf technischer Seite sieht er aber keine großen Hindernisse - LTE sei sowohl zu GSM als auch zu WCDMA (3G, UMTS) abwärtskompatibel. Das heißt, teile der vorhandenen Netze und vor allem die Standorte könnten weiterverwendet werden.

Gleichzeitig plädierte Possne dafür, die neue Technologie allein Datendiensten vorzubehalten. „LTE ist - anders als 3G - ein reines Datennetz.“ Die Mobilfunkbetreiber könnten für die Gesprächsvermittlung entweder die vorhandenen Netze weiterverwenden oder Voice-Over-IP im LTE-Netz anbieten. „Ich glaube deshalb auch, dass LTE eher mit Laptops und Notebooks genutzt werden wird und nicht mit Handys.“ Die entsprechenden Chipsätze dürften rechtzeitig zum kommerziellen Start der LTE-Netze verfügbar sein, so Possne.

Aber auch unabhängig von dem neuen Standard erwartet Ericsson einen rapiden Anstieg der Nachfrage nach schnellen mobilen Datenverbindungen. „Mobiles Breitband wird eine große Sache sowohl in den gesättigten Märkten als auch in den Schwellenländern“, sagte Possne. In den ländlichen Gebieten von Indien und Afrika würden aber wahrscheinlich erst einmal ältere Technologien eingesetzt, um die Bevölkerung mit mobilen Internet-Zugängen zu versorgen. Ericsson rechne bis 2013 mit rund drei Milliarden Breitband-Anschlüssen weltweit. „Davon werden mehr als 2,2 Milliarden mobile Breitbandnutzer sein.“ Heute ist das Verhältnis zwischen Festnetz und mobilen Anschlüssen noch umgekehrt.

Gespräch: Annika Graf, dpa-AFX

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