Emotionale Europapremiere von „Marie Antoinette“

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Deutsche Presse-Agentur

Wunderschöne Kostüme, mitreißende Balladen und ein beeindruckendes Bühnenbild - das Musical „Marie Antoinette“ hat bei der Europapremiere in Bremen das Publikum begeistert. Mit Jubelrufen und Ovationen bedankten sich die Zuschauer.

Sie honorierten damit im Musicaltheater der Hansestadt die Leistung der Darsteller in einer dreistündigen, kurzweiligen Show. Das emotionsgeladene, farbenprächtige Drama des Erfolgsduos Michael Kunze und Sylvester Levay („Elisabeth“, „Mozart!“) erzählt das schillernde Leben der französischen Königin Marie Antoinette (1755-1793) von ihrer Krönung bis zu ihrem Tod auf dem Schafott.

Das Stück um Liebe, Feindschaft und blutige Revolution wurde bereits im November 2006 in Tokio uraufgeführt und für die Europapremiere noch einmal überarbeitet. Die Inszenierung mit Produktionskosten von fünf Millionen Euro zeigt das Theater Bremen in Kooperation mit dem Musicaltheater.

Die in Nürnberg aufgewachsene Italienerin Roberta Valentini (27) kann als Monarchin darstellerisch und gesanglich überzeugen. Doch niemand zieht das Publikum an diesem Abend so stark in seinen Bann wie Sabrina Weckerlin, die die Gegenspielerin der Königin verkörpert. Sie spielt die frei erfundene Figur der Bettlerin Margrid Arnaud mit großer Intensität und sorgt mit ihrer herausragenden Stimme vor allem bei den gefühlvollen Liedern für Gänsehaut. „Warum Sie, warum nicht ich?“, singt Margrid zu Anfang herzzerreißend in ihren grauen Lumpenkleidern, bevor die beschwipste Marie Antoinette sie demütigt und aus einem prunkvollen Ballsaal wirft. In ihrem Hass auf die verschwenderisch lebende Königin wird Margrid zur Revolutionärin.

Der Kontrast zwischen den beiden Frauen und ihren Lebenswelten verdeutlicht Regisseur Tamiya Kuriyama mit rasanten Szenenwechseln zwischen den rauschenden Festen am Hof von Louis XVI. und den dunklen Pariser Elendsvierteln. Zwei Drehbühnen und ausgefeilte Lichteffekte sorgen für zusätzliche Dynamik.

Das dramaturgisch gut gebaute Musiktheater schildert nicht nur die berühmte Halsbandaffäre, sondern auch Marie Antoinettes Liebe zu dem Grafen Axel von Fersen (Patrick Stanke). Ihr Herzschmerz-Duett „Du wirst mir nie gehören“ hat Ohrwurm-Charakter. Immer wieder gibt es Szenenapplaus, auch für die starken Choreinlagen. Leider ist der Chor teilweise so laut, dass der Gesang der Hauptdarsteller nicht zu verstehen ist. Levays Musik verbindet nach seinem bekannten Erfolgsrezept Klassik mit Rock-Pop.

Das Stück endet mit Marie Antoinettes Hinrichtung wegen Hochverrats. Der dramatische Abschied von ihren Kindern, die Versöhnung mit ihrer Feindin Margrid - an diesen Stellen ist die Inszenierung mitunter etwas zu rührselig. Trotzdem ist „Marie Antoinette“ gelungene Musical-Kost, die die hohen Erwartungen erfüllt. Bis zum 31. Mai ist die Aufführung in Bremen zu sehen, danach soll sie auf Tournee gehen.

www.musicaltheater-bremen.de

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