Ein neuer Fall für George Dupin: „Bretonische Geheimnisse“

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«Bretonische Geheimnisse»
Dunkle Wälder, verwunschene Seen - und eine mysteriöse Mordserie unter Artus-Forschern: „Bretonische Geheimnisse“. (Foto: Verlag Kiepenheuer & Witsch / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Renate Grimming

Eigentlich sollte es ein ganz entspannter und beschaulicher Betriebsausflug in das Herz der Bretagne werden, in den Forêt de Brocéliande. Doch kaum kommt das Team um Kommissar George Dupin nahe dem Val sans retour (Tal ohne Wiederkehr) an, stolpert der Kriminalist schon über die erste Leiche.

In einem Manoir am Rand des sagenumwobenen Waldes findet Dupin den Artus-Forscher Fabien Cadiou erstochen auf. Schnell wächst sich der gewaltsame Tod zu einem undurchsichtigen Fall aus, in dem eine Gruppe von Archäologen und Sprachwissenschaftlern unter schweren Verdacht gerät. Was verbergen sie alle? Und die nächste Leiche lässt nicht lange auf sich warten.

In seinem neuen Fall entführt der Autor Jean-Luc Bannalec seine Leser in den berühmten Wald von Paimpont mit seinen malerischen Seen, Flussläufen, Schlössern und Ruinen. Der Zauberer Merlin und seine Gefährtin Viviane, Feen, aber auch Artus und seine Tafelrunde sollen sich dort einst aufgehalten haben - die Legenden wirken bis heute fort. Dupins Ermittlungen, die sich schnell zu höchster Brisanz auswachsen und sogar den Innenminister in Paris auf den Plan rufen, führen ihn und seine Truppe tief hinein in den Zauberwald mit seinen verwunschenen Orten und historischen Bauwerken - ein Mekka für Inspektor Riwal und dessen Steckenpferd um keltisch-bretonische Legenden.

„Bretonische Geheimnisse“ ist bereits der siebte von zunächst geplanten neun Kriminalfällen des Autors. Jeder der Fälle schnellte kurz nach Erscheinen in die Bestseller-Listen. In allen Folgen zieht Bannalec die Leser nicht nur mit seinen Ermittlungen in den Bann, sondern versetzt sie vor allem auch durch seine wunderbaren Landschaftsbeschreibungen direkt dorthin. Es ist zuweilen wie in einem hinreißenden Reiseführer zu lesen. Immer wieder beschwört er das Leuchten, das es nur in der Bretagne gebe - und sorgt seither für einen stetig wachsenen Touristen-Strom. Seine Bücher sind zwar in mehr als zwölf Sprachen übersetzt, doch vor allem Leser aus Deutschland machen sich offenbar auf die Reise.

Inzwischen wird Bannalec in der Bretagne verehrt wie in Popstar. Rezensenten stellen ihn auf eine Stufe mit Georges Simenon. Dreh-Teams ziehen für die ARD-Verfilmungen von einem malerischen Ort zum nächsten. Inzwischen wurde Bannalec von der Region Bretagne zum Mécène (Mäzen) der Region gekürt. In Lannion etwa, dem beschaulichen Bezirksstädtchen des Trégastel, wird dem geneigten Bretagne-Reisenden im Tourismus-Büro auch gern mal verraten, wo die Leiche aus dem sechsten Fall („Bretonisches Leuchten“) gelegen hat oder welche Tatorte sich sonst noch lohnen anzusehen.

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch hält auch beim siebten Fall an dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec fest, dabei hatte es gar nicht lange gedauert, bis der Kopf dahinter enttarnt wurde. Es braucht heute nur eine kurze Google-Suche, um auf den Wikipedia-Eintrag von Jörg Bong zu gelangen, renommierter Verleger, Literaturwissenschaftler, Herausgeber und Autor sowie Programmgeschäftsführer des S.Fischer Verlags. Zuletzt verriet Bong der bretonischen Regionalzeitung „Le Télégramme“, dass er zum Schreiben jährlich für zwei bis drei Monate in der Bretagne lebe, um seinen Charakteren so nah wie möglich zu sein. Für neun Fälle Stoff habe er im Kopf, danach werde man sehen.

Auch wenn Bannalec seine Leser nach idyllischen Sommerfrischen wie den Iles de Glénan, Dupins Heimatstädtchen Concarneau oder der Côte Granit Rose diesmal weitab der Meere ins Innere der Bretagne führt, dürfte eines auf jeden Fall nicht unwahrscheinlich sein: dass man in nächster Zeit im Forêt de Brocéliande, etwa an der Église du Graal, vermehrt auf Touristen und Hobby-Artus-Forscher aus Deutschland treffen wird.

- Jean-Luc Bannalec: Bretonische Geheimnisse, Kiepenheuer & Witsch, 400 Seiten, 16,00 Euro, ISBN 978-3-462-05201-5.

Bretonische Geheimnisse

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