Ein Drache, ein Sumpf und viele Bücher

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«Der Bücherdrache»
„Der Bücherdrache“ von Walter Moers. (Foto: Random House / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Alexandra Stahl

Wer mit Fantasy nichts anfangen kann, sollte die Finger von Walter Moers' neuestem Werk lassen. „Der Bücherdrache“ wurde nämlich eigentlich von Hildegunst von Mythenmetz geschrieben, einem alten Saurier aus Zamonien.

Aber eigentlich erzählt er uns nur, was er geträumt hat. Und was ihm in diesem Traum sein Alter Ego geschildert hat - Hildegunst Zwei. Der kleine Buchling berichtet von einem Drachen, dessen Haut aus alten Büchern besteht. Und dieser Bücherdrache lebt in einem Sumpf - dem Ormsumpf. Alles klar?

Moers' Fans lieben ihn für seine Fabulierkunst und dürften in seinem neuestem Roman auf ihre Kosten kommen. Und was erstmal verwirrend daherkommt, ist eigentlich ganz einfach: Der Held des Buchs - Hildegunst Zwei - wird auf die Reise zu einem alten Drachen geschickt, dem Bücherdrachen. Von dieser Begegnung erzählt Hildegunst Zwei dem eigentlichen Erzähler: Hildegunst von Mythenmetz. Wobei dem wiederum nicht ganz klar ist, was da eigentlich mit ihm passiert: „Was ist der Unterschied zwischen einer Geschichte und einem Traum?“

Ob Moers einen Traum oder eine Geschichte oder tatsächlich einen Roman geschrieben hat, ist letztlich egal. Erzählt wird in ironisch-liebevollem Ton aus einer verrückten Unterwelt, den Katakomben von Buchhaim. Illustriert wird das mit Comicbildern und Zeichnungen. In den Katakomben dreht sich alles um Bücher, es kriechen seltsame Insekten umher, und die Protagonisten tragen aberwitzige Namen - von Danzelot von Silbendrechsler bis zu Nathaviel. Und das ist der Bücherdrache.

Nathaviel ist kein gewöhnlicher Drache, der Feuer spuckt und Leuten Angst einjagt. Stattdessen ist er ein sehr kluger Drache, schließlich wälzt er sich den ganzen Tagen in Büchern. „Der Drache soll druckreif gesprochen haben. Auf Zuruf sogar in Reimen von jedem beliebigen Versmaß. Man glaubte, dass er auf alle - wirklich alle! - Fragen eine Antwort hatte“, erzählt man sich. Ob das stimmt, wird Hildegunst herausfinden. Eine Schuppe vom Drachen soll er auch mitbringen. Die Schuppe ist natürlich keine richtige Schuppe, sondern eines der eingewachsenen Büchern in seinem Panzer.

„Der Bücherdrache“ landete bereits wenige Tage nach seinem Erscheinen auf der „Spiegel“-Bestseller-Liste. Es ist Teil weiterer Geschichten Moers' von dem fiktiven Kontinent Zamonien. Der 1957 in Mönchengladbach geborene Comic-Zeichner wurde vor allem mit der Comic-Reihe „Das kleine Arschloch“ und der Fernsehfigur „Käpt'n Blaubär“ berühmt.

Moers gilt als öffentlichkeitsscheu und schreibt auf seiner Homepage: „Menschen, die mich persönlich kennen, bestätigen mir gelegentlich meine Existenz, so dass ich mit absoluter Überzeugung behaupten kann: Doch, ich lebe noch. Ich werde aber auch weiterhin nicht in Fernsehtalkshows auftreten, mich nicht fotografieren oder filmen oder vor Mikrophon interviewen lassen.“

- Walter Moers: Der Bücherdrache, Penguin-Verlag, München, 192 Seiten, 20,00 Euro, ISBN 978-3-328-60064-0.

Homepage Moers

Der Bücherdrache, Penguin-Verlag

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