Eigenwillige Jury-Präsidentin Tilda Swinton

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Schwäbische Zeitung

Berlin (dpa) ­ Tilda Swinton dürfte die Berlinale-Jury als Präsidentin garantiert sicher im Griff haben und für ungewöhnliche Entscheidungen sorgen. Die schottische Oscar-Preisträgerin gilt in jeder Hinsicht als eigenwillig.

Sei es bei der Wahl ihrer Rollen oder bei öffentlichen Auftritten - die 48-jährige Britin zeigt sich immer gern als Freigeist. Bei der morgen beginnenden 59. Berlinale entscheidet sie zusammen mit ihren Jury-Kollegen über die Vergabe des Goldenen und der Silbernen Bären.

„Ich freue mich, dass die wunderbare Tilda Swinton unsere Jury-Präsidentin für 2009 sein wird“, sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick und fügt hinzu: „Mit ihrer beeindruckenden Leinwandpräsenz prägt sie das aktuelle innovative Kinoschaffen. Zudem ist sie eine der erfahrensten Berlinale-Besucherinnen überhaupt.“ Tatsächlich war die Schauspielerin, die im Vorjahr in ihrer Heimatstadt Naim ein Filmfestival zur Wiederentdeckung klassischer Schätze des Weltkinos gegründet hat, wohl so häufig bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin zu Gast wie keine andere Künstlerin. 14 Filme hat sie in den letzten 20 Jahren auf der Berlinale begleitet.

Berühmt wurde Swinton in den 80er Jahren als Muse des Regisseurs Derek Jarman, in dessen „Caravaggio“ sie 1986 ihr Leinwanddebüt gab. Bis zu seinem Tod im Jahr 1994 verband sie und Jarman eine starke künstlerische Nähe. Sie trat in jedem seiner Filme auf. Ihm zur Erinnerung schrieb und koproduzierte sie „Derek“, ein Filmporträt des Regisseurs, das im vergangenen Jahr in der Berlinale-Sektion Panorama gezeigt wurde.

Ihren Status als international gefeierter Filmstar begründete Swinton 1992 mit der von Sally Potter inszenierten Adaption des Romans „Orlando“ von Virginia Woolf. Wer Swintons sensible Interpretation eines scheinbar unsterblichen Mannes, der schließlich zur Frau wird, gesehen hat, wird das wohl nie vergessen. Seitdem verkörpert sie immer wieder, vor allem in England und in den USA, starke, oft androgyn wirkende Figuren, deren Reiz insbesondere einer spröden Erscheinung entspringt.

In der Öffentlichkeit schert sich Swinton nicht um ihr Image. Bei der Oscar-Verleihung 2008 etwa trat die 1,83 Meter große Rothaarige mit der blassen Haut fast ungeschminkt und alles andere als glamourös auf. In ihrer witzigen Dankesrede entsprach sie offenkundig lustvoll ihrem Ruf, gern auch einmal eine derbe Sprache zu pflegen und pries ungeniert die Schönheit der Pobacken ihres Agenten.

Auch ihr Privatleben gestaltet sie unkonventionell: Swinton lebt seit Jahren mit ihrem Gatten, dem auf die 70 zugehenden Maler John Byrne, den gemeinsamen Zwillingssöhnen, und ihrem jetzt 30-jährigen Liebhaber Sandro Kopp. In Interviews äußert sie sich dazu selten. Auf die Frage, wie leicht oder schwer so eine Konstellation zu leben sei, antwortete sie jedoch einmal schlagfertig: „Es braucht ungewöhnliche Männer, um das hinzukriegen.“

www.berlinale.de

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