Eichinger und Edel hoffen auf den Oscar

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Deutsche Presse-Agentur

Ein bisschen Erfahrung mit dem Rummel rund um die begehrten Oscars hat Bernd Eichinger bereits: 2005 hatte er schon einmal aufregende Stunden des Wartens durchlebt, ob der von ihm produzierte Hitler-Film „Der Untergang“ von Regisseur Oliver Hirschbiegel als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet werden würde.

Er schaffte es nicht. Nun hat der bald 60-Jährige erfolgreiche Filmproduzent erneut Oscar-Chancen - mit dem RAF-Drama „Der Baader Meinhof Komplex“, den sein früherer Studienkollege Uli Edel in Szene gesetzt hat.

Viel Wirbel machen die beiden nicht um die Oscar-Aussichten. Allein die Nominierung sei schon eine große Ehre, ließen sie immer wieder verlauten. Doch vieles spricht dafür, dass die Aufregung dieses Mal bei Eichinger etwas größer sein dürfte - hatte ihn die Arbeit an dem Streifen über die blutigen Terrortaten der Roten Armee Fraktion (RAF) der 1970er Jahre doch sehr mitgenommen und beschäftigt, wie er in Interviews erklärte.

Die geballten Fäuste in die Höhe gereckt, so hatten Eichinger und Edel Mitte September die mit großer Spannung erwartete Premiere ihres Polit-Dramas in München gefeiert. Eichinger, der berühmte Produzent aus München, und Edel, der sich gern im Hintergrund hält. Seit fast 40 Jahren kennen sich die beiden. Anfang der siebziger Jahre studierten sie gemeinsam an der Münchner Filmhochschule und arbeiteten gemeinsam an Übungsfilmen. Während Edel nach der Hochschule erste Erfahrungen unter anderem bei Douglas Sirk sammelte, gründete Eichinger 1974 die Firma Solaris. Mit Regisseuren wie Wim Wenders oder Edgar Reitz produzierter er viele anspruchsvolle Autorenfilme wie „Falsche Bewegung“ oder „Stunde Null“.

1981 fanden die früheren Komilitonen Eichinger und Edel dann zum ersten Mal zusammen - und landeten prompt einen großen Erfolg mit der Bestseller-Verfilmung „Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. 1987 folgte dann „Letzte Ausfahrt Brooklyn“. Während Eichinger bald darauf mit Werken wie „Werner - Beinhart!“, „Der bewegte Mann“ oder 2006 „Das Parfum“ die Kinokassen klingeln ließ, versuchte sich Edel in Hollywood. Mit der Pop-Ikone Madonna drehte er 1993 „Body of Evidence“, der ihm allerdings keinen Oscar bescherte, sondern seiner Hauptdarstellerin die Goldene Himbeere als schlechteste Darstellerin des Jahres 1994. Erfolgreicher waren da schon Edels Arbeiten für das US-Fernsehen oder der Kinderfilm „Der kleine Vampir“, der ihm 2001 sogar den deutschen Filmpreis brachte.

Leicht haben es Edel und Eichinger mit ihrem Gemeinschaftswerk über den Terror der Roten Armee Fraktion, dass sie für die Constantin Film gedreht haben, allerdings nicht. Nach einer fast beispiellosen Geheimhaltung im Vorfeld der Premiere Mitte September hagelte es heftige Kritik, vor allem von Angehörigen der RAF-Opfer. Michael Buback, der Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, etwa hätte sich gewünscht, dass die Verantwortlichen Rücksprache mit den Verwandten gehalten hätten. Ignes Ponto, deren Mann Jürgen 1977 von Terroristen in seiner Villa erschossen worden war, zog sogar erfolglos vor Gericht, weil der Film ihrer Ansicht nach den Tod Bankiers nicht wirklichkeitsgetreu darstellte.

Doch Eichinger und Edel stehen zu ihrem Werk. „Niemand, der Verstand hat, wird den Machern des Films oder mir absprechen, dass wir unsere Trauer mit den Angehörigen der Opfer teilen und dass wir über das Schicksal der Opfer genauso Empörung empfinden“, sagte Eichinger vor rund einem Monat in München beim Bayerischen Filmpreis, wo er als Produzent ausgezeichnet wurde. Auch Edel zeigte sich optimistisch hinsichtlich der Oscar-Chancen. „Ich denke schon, dass der Film das auch verdient hat“, sagte er.

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