Ehrlich-Preis für Entdeckung des „Zell-Jungbrunnens“

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Deutsche Presse-Agentur

Sie entdeckten den „Jungbrunnen der Zelle“ und erhalten dafür am Samstag in Frankfurt den Paul Ehrlich und Ludwig Darmstaedter-Preis 2009. Die US-Biologinnen Elizabeth H. Blackburn (59) und Carol Greider (47) haben nach Angaben der Jury mit ihren Forschungen wichtige Erkenntnisse zur Zellteilung erlangt.

Daraus konnten Rückschlüsse darauf gezogen werden, wie Körperzellen altern und Krebs entsteht. „Wir haben das nie getan, um ein medizinisches Problem zu lösen“, sagte Blackburn am Freitag in Frankfurt. Sie seien vielmehr „Jägerinnen“ gewesen, die verstehen wollten, wie Organismen arbeiten. „Wenn man verstehen will, wie Krankheiten funktionieren, muss man zuerst wissen, wie Zellen funktionieren.“

Die Auszeichnung ist mit 100 000 Euro dotiert und wird in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Sie gilt als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Preise Deutschlands.

Die beiden Biologinnen haben sich mit Teilen der Erbsubstanz DNA beschäftigt, den Telomeren. Diese schützen die Enden der Erbgutträger bei der Zellteilung. Doch bei jeder Teilung der Zelle werden die Telomere um ein winziges Stück gekürzt. Wird dabei eine gewisse Mindestlänge unterschritten, teilt sich die Zelle nicht mehr oder stirbt ab. Ein von Blackburn und Greider 1984 entdecktes Enzym, die Telomerase, kann das verhindern und ist somit eine Art „Jungbrunnen der Zelle“. Die Biologinnen sprachen sich in Frankfurt für eine größere Akzeptanz der Grundlagenforschung aus. „Grundlagenforschung ist sehr wichtig, um zu verstehen wie Menschen funktionieren“, sagte Blackburn.

Menschen mit zu wenig Telomerase in den Zellen können typische Alterskrankheiten bekommen, da sich wichtige Zellen nicht mehr teilen. Das Enzym hilft aber auch Krebszellen, sich ungehemmt zu vermehren. Telomerase-Blocker als Krebstherapie werden laut Blackburn momentan in klinischen Tests untersucht. Wann eine solche Therapie aber zugelassen werde, sei noch unklar. Viele Fragen seien in ihren Forschungen noch offen, so Blackburn. Unter anderem hätten sie inzwischen Anzeichen dafür, dass sich negativer psychischer Stress über eine lange Zeit auf die Qualität der Telomerase auswirke.

Prof. Elizabeth Blackburn arbeitet an der Abteilung für Biochemie und Biophysik der Universität von Kalifornien. Sie wurde in Australien geboren und promovierte in Großbritannien, inzwischen ist sie US-Staatsbürgerin. 2007 wurde sie vom „Time-Magazin“ zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gekürt. Prof. Carol Greider leitet die Abteilung für Molekularbiologie und Genetik der Johns Hopkins Universität in Baltimore. Die gebürtige Amerikanerin war Doktorandin bei Blackburn, die damals in Berkeley lehrte. Dort machten die beiden Frauen gemeinsam ihre Entdeckungen.

Der Biologe Falk Nimmerjahn (36) von der Universität Erlangen erhält den Paul Ehrlich und Ludwig Darmstaedter-Nachwuchspreis für seine „herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie“.

[Preisverleihung]: Paulskirche, Frankfurt am Main

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