Drei Tote bei Messerangriff in Nizza - Frankreich ruft höchste Terror-Warnstufe aus

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Messerattacke in Nizza
Polizisten der Eliteeinheit Raid treffen ein, um die Kirche Notre-Dame nach einem Messerangriff zu durchsuchen. (Foto: Valery Hache / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Agence France-Presse

Bei der blutigen Messerattacke in Nizza sind nach einer vorläufigen Bilanz drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt worden. Das bestätigten Polizeikreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris auf Anfrage. Frankreich hat zwischenzeitlich die höchste Terror-Warnstufe ausgerufen. Es sei die Stufe „Urgence Attentat“ des Anti-Terror-Alarmplans „Vigipirate“ ausgerufen worden, sagte Premierminister Jean Castex am Donnerstag in der Nationalversammlung in Paris.

Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, schrieb auf Twitter: „Alles deutet auf einen Terroranschlag im Umfeld der Basilika Notre-Dame von Nizza hin.“ Nach Angaben eines Parlamentsabgeordneten fand das Attentat im Inneren der Kirche statt. Laut Estrosi wurde der mutmaßliche Angreifer festgenommen. Er habe „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) gerufen.

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin kündigte auf Twitter eine Krisensitzung des Kabinetts an, Regierungschef Jean Castex verließ dafür die laufende Parlamentsdebatte über den neuen Lockdown.

Messerattacke in Nizza
Französische Gerichtsmediziner treffen am Ort eines Messerangriffs in Nizza ein. (Foto: Valery Hache / DPA)

Einen weiteren Vorfall gab es im südfranzösischen Avignon. Die Polizei hat dort einen mutmaßlichen Angreifer getötet, der Passanten mit einer Waffe bedroht haben soll. Derzeit gebe es aber keine Hinweise auf einen Terrorhintergrund, berichteten Polizeikreise am Donnerstag. 

Am französischen Konsulat in Dschidda in Saudi-Arabien hat ein Mann einen Sicherheitsbeamten angegriffen und leicht verletzt. Der Täter sei festgenommen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA. Der Mann sei um die 40 Jahre alt und habe den Wächter mit einem scharfen Werkzeug angegriffen, sagte Polizeisprecher Mohammed al-Ghamdi demnach. Beide Vorfälle ereigneten sich kurz nach der Attacke in Nizza, Hinweise auf einen konkreten Zusammenhang gibt es zur Stunde aber nicht.

Macron vor Ort eingetroffen

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat zwischenzeitlich die Ermittlungen übernommen. Dabei gehe es in Nizza unter anderem um den Vorwurf des Mords in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben, bestätigte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist nach der tödlichen Messerattacke in der südfranzösischen Metropole Nizza eingetroffen. Er werde unter anderem von Innenminister Gérald Darmanin, Justizminister Éric Dupond-Moretti und dem Anti-Terrorstaatsanwalt Jean-François Ricard begleitet, hieß es am Donnerstag aus Élyséekreisen. Macron wollte vor Ort etwa mit Sicherheitskräften und dem Bürgermeister von Nizza sprechen.

In der Nationalversammlung fand eine Schweigeminute statt. Die Polizei riet, den Bereich zu meiden und nahm zu Einzelheiten zunächst nicht Stellung.

Mitte Oktober war bereits ein Lehrer in Frankreich einem Terrorattentat zum Opfer gefallen. Er wurde von einem 18-Jährigen enthauptet, nachdem er im Unterricht Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Das Verbrechen hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst. Es waren Zehntausende auf die Straße gegangen, um sich solidarisch zu zeigen.

Reaktionen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollte nach Angaben seines Büros nach einer Sitzung des Pariser Krisenstabs nach Nizza reisen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. In einer Reihe muslimischer Länder hatte es in den vergangenen Tagen Drohungen und Boykottaufrufe gegen Frankreich gegeben. Die Proteste entzündeten sich an Macrons Äußerungen bei der Trauerfeier für den getöteten Lehrer. Der Staatschef kündigte ein Festhalten an den Mohammed-Karikaturen im Namen der Meinungsfreiheit an. Die katholische Kirche in Frankreich zeigte sich entsetzt von der „unsäglichen Tat“. Christen dürften nicht „zum symbolischen Schlachtopfer werden“, forderte die Bischofskonferenz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich inzwischen „tief erschüttert über die grausamen Morde in einer Kirche“ in Nizza gezeigt. „Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Ermordeten und bei den Verletzten“, erklärte Merkel nach Angaben ihres Sprechers Steffen Seibert am Donnerstag in Berlin. „Der französischen Nation gilt in diesen schweren Stunden Deutschlands Solidarität“, fügte die Kanzlerin hinzu.

Der Vatikan hat nach der Messerattacke von Nizza zu einem Ende des Hasses aufgerufen. Papst Franziskus bete für die Opfer und ihre Angehörigen sowie darum, dass Frankreich „geeint mit dem Guten auf das Böse antwortet“, erklärte Vatikansprecher Matteo Bruni (Donnerstag). Die Menschen müssten sich wieder „als Brüder und Schwestern betrachten und nicht als Feinde“. „Der heutige Angriff hat an einem Ort der Liebe und des Trostes, wie es das Haus des Herrn ist, Tod gesät“, sagte Bruni. Er sprach von einem „Moment des Schmerzes in einer verunsicherten Zeit“. Terrorismus und Gewalt seien niemals zu akzeptieren.

Nach der tödlichen Messerattacke in Nizza haben die Spitzen der EU-Institutionen Frankreich ihre Solidarität zugesichert. Ganz Europa sei solidarisch mit dem Land, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Donnerstag auf Twitter. Man bleibe angesichts der Barbarei und des Fanatismus geschlossen und entschlossen. Sie verurteilte den „abscheulichen und brutalen Angriff“.

Das türkische Außenministerium hat die Messerattacke im französischen Nizza ebenfall scharf verurteilt. Es gebe nichts, dass Gewalt und das Töten von Menschen rechtfertige, teilte es am Donnerstag mit. Menschen, die derartig brutale Angriffe an einem solch heiligen Ort verübten, hätten keine religiösen, humanitären oder moralischen Werte. Man stehe solidarisch mit den Menschen in Frankreich gegen Terror und Gewalt, hieß es.

Der italienische Regierungschef Giuseppe Conte hat die mutmaßlich islamistische Messer-Attacke in Nizza als „niederträchtigen Anschlag“ verurteilt. Durch den Anschlag könne „die gemeinsame Front zur Verteidigung der Werte der Freiheit und des Friedens nicht ins Wanken gebracht werden“, schrieb Conte am Donnerstag in einer Twitter-Nachricht. „Unsere Bestimmtheit ist stärker als der Fanatismus, der Hass und der Terror.“ Conte drückte den Hinterbliebenen der Anschlagsopfer sein Beileid aus.

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