Drei Einakter von Neil LaBute in Bonn uraufgeführt

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Deutsche Presse-Agentur

Neil LaBute ist der wohl bekannteste zeitgenössische US-Dramatiker der mittleren Generation. Das Schauspiel Bonn hat seit der Erstaufführung seines Stücks „Wie es so läuft“ vor zwei Jahren eine besonders enge Beziehung zu dem Stückeschreiber und Filmemacher.

Jetzt schrieb LaBute seiner Bonner „Lieblingsschauspielerin“ Birte Schrein drei neue Einakter auf den Leib: Das Publikum quittierte die Uraufführung in der Bonner Studiobühne mit nicht enden wollendem, begeistertem Beifall. Birte Schrein konnte die widersprüchlichsten Facetten verschiedener junger Frauen anschaulich machen und damit ihre Wandlungsfähigkeit ins hellste Licht setzen, so dass der Abend auf der kleinen Bonner Bühne ganz groß wurde.

„Der Große Krieg“ lautet der übergreifende Titel; er ist mehrdeutig, vor allem dürfte der Geschlechterkrieg gemeint sein. Auch der Mittelteil des durch das Thema miteinander verbundenen Triptychons heißt „Der Große Krieg“: Hier lässt ein Paar, das sich trennen will, alle Rücksicht fahren. Dies steht in der Tradition von „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, erinnert an Edward Albee. Mit Anklängen an „Medea“ macht LaBute gnadenlos deutlich, wer unter der Trennung leiden wird: die Kinder.

Auch bei den „Furien“ spielt LaBute, der seine Klassiker genau gelesen hat, auf die Antike an. Eine junge Frau hat ihren Freund nach einem Streit zu einer Aussprache gebeten. Er erscheint mit seiner Schwester, die Züge der Medusa trägt. Der Konflikt wird in aller Härte ausgetragen ­ eine Spezialität von LaBute, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt und die gleichzeitig wegen der neue Erkenntnisse provozierenden Klarheit zum Lachen reizt.

Eines der neuen Stücke ist besser als das andere: „Was Ernstes“ ist ein Monodram über Verdrängung und die Unfähigkeit, der Wirklichkeit ins Auge zu blicken. Es ist nur knapp zehn Minuten lang, zweieinhalb Schreibmaschinenseiten kurz, ein Meisterwerk der „Minimal-Art“ und als Schlusspunkt kaum zu übertreffen.

Jennifer Whigham übersetzte nicht nur (zusammen mit Lothar Kittstein), sie führte auch Regie und präparierte die Stärken der Einakter heraus. Es ist die Sprache, die - wenn sie nicht brutal offen ist - oft verschweigt, was gemeint ist, aber dem Zuschauer Hinweise genug gibt, zu erraten, was beschwiegen wird. Unter der Oberfläche lauern nicht nur Hinweise auf die Theatergeschichte, sondern auch bösartige Seitenhiebe auf Heuchelei in Politik und Gesellschaft unserer Gegenwart.

www.theater-bonn.de

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